Nach Diebstahlversuch wurden Frauen sofort verurteilt - Bislang 29 beschleunigte Verfahren im Jahr

Nach der Tat sofort vor den Richter

Kassel. Am Mittwoch wurden sie bei einem versuchten Diebstahl in einem Kasseler Lebensmittelgeschäft erwischt, am Donnerstag wurden die beiden Bulgarinnen, 28 und 35 Jahre alt, in einem beschleunigten Verfahren vor dem Kasseler Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt.

Dass die Frauen vom Polizeigewahrsam direkt in den Gerichtssaal kamen, sei der reibungslosen Zusammenarbeit von Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht zu verdanken, so Matthias Grund, Sprecher des Kasseler Amtsgerichts, der in dem Verfahren auch zuständiger Richter war.

Die Staatsanwaltschaft habe um 17.10 Uhr beantragt, gegen beide Frauen im beschleunigten Verfahren zu verhandeln. Eine Dolmetscherin übersetzte alles und gegen 17.40 Uhr sei das Urteil gesprochen worden. Beide Frauen erhielten jeweils eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen wegen gemeinschaftlich begangenen versuchten Diebstahls.

Am Mittwochnachmittag seien die Frauen, die als Touristinnen nach Deutschland gekommen seien, in einen Lebensmittelmarkt in der Kasseler Innenstadt gegangen und gaben vor, Kekse kaufen zu wollen. „Im Sinn hatten sie aber etwas anderes. Sie wollten Geldbörsen stehlen, um sich von dem erbeuteten Geld Jeans, Jacken und Schuhe zu kaufen“, sagt der Amtsrichter.

Dabei gerieten sie nach eigenen Angaben zufällig an eine 79-jährige Frau aus Kassel. Zur Realisierung ihres Plans versuchte die 35-jährige Angeklagte, die Rentnerin abzulenken, indem sie nach einem Preis für Kekse fragte. Dieses Ablenkungsmanöver wollte die 28-jährige Mittäterin nutzen, um die Geldbörse der Frau aus der Handtasche zu stehlen. Was dann geschah, damit hatten wohl die Täterinnen nicht gerechnet. Die Rentnerin schlug der 28-Jährigen die Geldbörse einfach wieder aus der Hand.

Die Frauen wollten flüchten, wurden aber vom Ladendetektiv daran gehindert. Die Polizei nahm die Frauen fest und sicherte alle Beweise. Nachdem die beiden Täterinnen eine Nacht im Polizeigewahrsam verbracht hatten, wurden sie vernommen.

Schnelligkeit beeindruckt

Auch die Zeugen sagten bei der Polizei aus. Schließlich legten die Frauen am Donnerstag um 15.30 Uhr ein Geständnis vor dem Ermittlungsrichter ab. Danach nahm das gerichtliche Verfahren seinen Lauf. „Sichtlich beeindruckt von der schnellen Arbeit der Justiz und der Ermahnung durch den Richter, dass bei der nächsten Straftat eine Freiheitsstrafe droht, durften beide Frauen das Gericht verlassen“, schildert Grund.

So oder so ähnlich endeten dieses Jahr beim Amtsgericht Kassel 29 Strafrechtsfälle. Sie wurden im beschleunigten Verfahren verhandelt. Hierbei handele es sich um eine besondere strafprozessuale Verfahrensart, um innerhalb von maximal sechs Wochen eine richterliche Entscheidung des Strafrichters oder des Schöffengerichts herbeizuführen. Dabei müssten sonst zwingend einzuhaltende Prozessvorschriften nicht beachtet werden, sagt Grund. (use)

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