Eine Woche dauert die Räumung

Nach langem Streit mit Mietern: Campingplatz in Kassel muss geräumt werden

Alles muss raus: Mitarbeiter einer Speditionsfirma haben gestern damit angefangen, auf dem bislang abgesperrten Teil des Kasseler Campingplatzes an der Giesenallee aufzuräumen.

Gerüchte über eine anstehende Räumung des Kasseler Campingplatzes gab es schon eine Weile. Montag machten Gerichtsvollzieher, Ordnungsamt und weitere Vertreter der Stadt Ernst.

Sie begannen mit der Zwangsräumung des schon länger eingezäunten Teils, auf dem auch das ehemalige Funktionsgebäude steht.

Hier lebte bis gestern der Sohn der ehemaligen Eigentümerin. „Wohnen kann man das ja wohl kaum nennen“, sagte einer der Mitarbeiter einer Speditionsfirma, die mit der Räumung beauftragt ist. In der Tat stapeln sich in der weiträumigen Immobilie Möbel, ausrangierte Kühlgeräte, Getränkekästen, leere Gasflaschen, Büromaterial und jede Menge Müll. Weil das Gebäude im Hochwassergebiet steht, wurde es auf Ständern gebaut. Dazwischen stehen ausrangierte Mopeds, Elektrogeräte, Sperrmüll und Altmetall.

Auf dem insgesamt 3500 Quadratmeter großen Freigelände sieht es ebenfalls verheerend aus. Alte Wohnwagen, Container, verrostete Fässer, undefinierbarer Metallschrott – die Stadt hat für die Räumung eine Woche eingeplant. Ein sportliches Ziel.

Verrostete Tonne, leere Gasflaschen und eine alte Waschmaschine: So sah es gestern noch auf dem Grundstück aus.

Der Kontrast zur Fläche hinter dem Zaun könnte größer kaum sein. Hier betreibt Kassel Marketing mit Unterstützung der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG ein idyllisch gelegenes Gelände als Campingplatz. Ziel sei es, demnächst die gesamte Fläche zu nutzen, sagt Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle. Und weiter: „Heute ist ein guter Tag für den Tourismus in Kassel.“ Bis dahin war es ein langer Weg. Nach einem Zwangsversteigerungsverfahren wollte die Stadt Kassel das Grundstück eigentlich schon früher in Beschlag nehmen. Kurz vor der bereits im vergangenen Jahr geplanten Zwangsräumung hatte der Sohn einen Mietvertrag vorgelegt. Den habe er bereits 2014 mit seiner Mutter abgeschlossen, so sein Anwalt.

Mittlerweile habe man Rechtssicherheit, sagt Oberbürgermeister Geselle. Bis zuletzt hätten der Anwalt der Stadt und Vertreter des Liegenschaftsamtes versucht, mit der ehemaligen Besitzerin und deren Sohn eine gütliche Einigung zu erreichen.

Materiallager unter dem Haus: Bei Hochwasser wäre das alles weggespült worden.

Daraus wurde nichts. Wo sich die frühere Eigentümerin des Campingplatzes derzeit aufhält, sei der Stadt nicht bekannt. Der Sohn zog sich gestern ohne Zwischenfälle von dem Gelände zurück. Mit der Speditionsfirma will er Kontakt halten. In den nächsten vier Wochen wird das gesamte Inventar noch gelagert und auf Nachfrage herausgegeben. Danach ist es dann auch offiziell Müll.

Von Thomas Siemon

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