Hessen-Forst warnt Ausflügler vor Sturmschäden

Nach Sturm Friederike: Im Kasseler Wald herrscht noch Lebensgefahr

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Baum für Baum werden die Sturmschäden aufgearbeitet: Unser Foto zeigt Forstwirtschaftsmeister Lars Müller beim Einsatz auf der von Friederike verwüsteten Fläche am Ziegenkopf.

Kassel. Mehr als 20 Grad und Sonnenschein: Zum Frühlingsstart bittet der Landesbetrieb Hessen-Forst darum, im Wald auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben.

Wanderer, Spaziergänger und Freizeitsportler sollten keinesfalls Flächen betreten, in denen Orkan Friederike am 18. Januar erhebliche Schäden anrichtete. „Das ist zu gefährlich“, warnt Uwe Zindel, Leiter des auch für Kassel und den Habichtswald zuständigen Forstamts Wolfhagen. Herabfallende Äste, wackelig-schief liegende oder stehende Bäume, oft unter enormer Spannung: Wegen der Gefahren sollten sich Menschen von Windwurfflächen fernhalten. 

„Stop! Lebensgefahr!“ heißt es gar auf einem Banner am Wanderparkplatz Ziegenkopf. Mit Kettensägen arbeiten Experten von Hessen-Forst seit zwei Wochen eine heftig getroffene, zehn Hektar große Fläche auf. 500 Fichten, so die Schätzung, hat der Sturm dort abgeknickt oder umgeschmissen. 

Nach Zindels Angaben fielen Friederike im Habichtswald etwa 7000 Festmeter zum Opfer, vor allem Fichten. Die Wege seien wieder frei. Die größeren „Schadnester“ sollen bis Sommer aufgearbeitet werden. Trotz Warnung und Bußgeld-Drohung tauchen immer wieder Schaulustige auf den Windwurfflächen auf. Probleme gebe es vor allem auf dem Hohen Gras, berichten die Forstarbeiter.

Der Habichtswald ist nach Einschätzung der Forstexperten beim Orkan Friederike glimpflich davon gekommen. „Die Schäden im Habichtswald sind im Vergleich zu anderen Regionen in Nordhessen und Südniedersachsen überschaubar“, sagt Zindel.

Verjüngung: Forstamtsleiter Uwe Zindel setzt auf natürlichem Fichtennachwuchs.

Der Sturm am 18. Januar hat im Habichtswald keine Flächenwürfe, sondern lediglich einzelne „Nester“ und „Windwürfe“ verursacht, betont der 61-Jährige. Nach Zindels Angaben ist der Schaden daher nicht so groß wie 2007 bei Orkan Kyrill. Im gesamten Bereich des Forstamtes (Bericht rechts) seien etwa 85 000 Festmeter Holz betroffen. Im Habichtswald seien es etwa 7000 Festmeter, davon seien 6000 Festmeter Fichte und 1000 Festmeter Buche.

Hessen-Forst ist darum bemüht, die größeren Schadnester im Habichtswald – etwa am Ziegenkopf – bis zum Sommer aufzuarbeiten. In denstärker betroffenen Regionen werde die schrittweise Aufarbeitung der zahlreichen kleineren Schadensnester und Einzelwürfe aber noch über das ganze Jahr andauern. Problem: Der Aufwand, um die vielen kleinen betroffenen Flächen freizuschneiden und freizuräumen, sei viel größer als bei Flächenwürfen. So setze man auch am Hohen Gras keine Harvester ein, um den Wald so wenig wie möglich in Mitleidenschaft zu ziehen, berichtet Zindel.

Auf der rund zehn Hektar großen Fläche am Ziegenkopf, die Friederike verwüstete, sind nach Ansicht des Forstamtsleiters wegen der Naturverjüngung keine Neuanpflanzungen notwendig. Zwischen den umgestürzten Stämme sind neue Bäume erkennbar. „Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen“, sagt Zindel. Ziel sei es, im Habichtswald eine Mischung von etwa 70 Prozent Laubbäumen und 30 Prozent Nadelbäumen zu erreichen. Bislang liegt der Anteil der Laubbäume noch etwas höher, deshalb werden teilweise Tannen gesetzt.

Wenn Forstamtsleiter Uwe Zindel vom 18. Januar als Datum von Kyrill (2007) und von Friederike (2018) erzählt, beginnen seine Mitarbeiter zu frotzeln. Grund: Zindel hat am 18. Januar Geburtstag. Das heißt: An seinem 50. Geburtstag fegte Kyrill über das Land, an seinem 61. Friederike. Kein guter Tag für Forstleute.

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