Herbert Groß pflegte das Tier

Nach Sturz von Lutherkirche in Kassel: Junger Wanderfalke zurück auf Turm

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Hat den Jungvogel wieder aufgepäppelt: Herbert Groß mit dem Falken im Treppenhaus der Lutherkirche.

Er hat den jungen Vogel aufgepäppelt und zurück zur Lutherkirche gebracht. Jetzt muss das verschüchterte Wanderfalkenweibchen sich erst mal wieder an die Freiheit gewöhnen.

Herbert Groß (76) nahm das verletzte Tier vor einer Woche bei sich zu Hause auf. Der Vogel ist wahrscheinlich vom Turm der Lutherkirche gefallen und hat sich dabei verletzt. 

„Das Weibchen ist noch sehr jung und muss das Fliegen erst üben“, sagt Groß, der sich schon häufiger um angeschlagene Vögel gekümmert hat. Als die Polizei ihm das eingefangene Tier gebracht hat, fütterte er den Greifvogel noch mit Rindfleischstreifen, die er mit einem Stock durch das Käfiggitter schob. „Zum Schluss hat mir der Falke aus der Hand gefressen“, sagt er.

Mittwoch hat Rainer Büchner von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium den Vogel in einem Käfig wieder hoch in den Turm der Lutherkirche gebracht. Mit 76 Metern ist der das höchste Gebäude Kassels und ein idealer Platz für Wanderfalken. Es sei denn, ein Uhupärchen beansprucht den Nistplatz. Vor zwei Jahren war das so, da hatten die Falken gegen die deutlich größeren Uhus keine Chance.

Zurück in der Freiheit: Mit Fleischködern haben die Fachleute das junge Wanderfalkenweibchen aus dem Käfig gelockt. Auf dem Turm der Lutherkirche wartete es auf seine Eltern.

Weil aber das Uhumännchen gestorben ist, konnten die Wanderfalken zurückkehren. „Wahrscheinlich hat das junge Weibchen noch Geschwister, die von den Altvögeln mit Futter versorgt werden“, sagt Rainer Büchner. Er hofft jetzt darauf, dass die Falkenfamilie wieder zueinanderfindet. Die Chancen dafür seien gut, denn die erwachsenen Vögel seien mit Sicherheit noch in der Nähe.

Weil die Wanderfalken unter anderem Mäuse und Tauben jagen, sind sie auf den Kirchtürmen willkommen. „Wir freuen uns darüber, dass sie hier nisten“, sagt Helge Kuhn, der das Gebäudemanagement für den evangelischen Stadtkirchenkreis verantwortet. Auch an anderen Kirchtürmen in der Stadt habe man Nisthilfen installiert.

Für die Falken gilt allerdings: Je höher, desto besser. Deshalb ist die Lutherkirche besonders beliebt. Blöd nur, wenn man dann als Halbwüchsiger runterfällt und auf Hilfe angewiesen ist. Doch zum Glück gibt es ja Menschen wie Herbert Groß, die auch mal als Ersatz-Vogelpapa einspringen.

Von Thomas Siemon

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