Kasseler Bürgermeister

Nach Sultan-Auftritt bekommt Bertram Hilgen jetzt Droh-Mails

Weiter diskutiert: OB Hilgen als Sultan beim Moscheefest.

Kassel. Nach der „kleinen folkloristischen Einlage“, wie er selbst seinen Auftritt im Sultan-Kostüm bezeichnet, sieht sich Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) heftigen Beleidigungen und Beschimpfungen ausgesetzt.

Viele Emails habe er nach seinem Besuch beim Moscheefest der Mevlana-Gemeinde Mattenberg erhalten, sagte Hilgen am Donnerstagabend im Rechtsausschuss. Darunter seien auch Drohungen, gar Morddrohungen, wie „Dich kriegen wir auch noch!“.

Der OB nahm dazu auf Anfrage der Kasseler Linke Stellung. Die Anfrage stammt vom Januar und fordert den Magistrat auf, über seine Erkenntnisse des Moschee-Verbandes DITIB und dessen Kasseler Gemeinden Auskunft zu geben. Durch den Sultan-Auftritt am 1. Mai hat die Anfrage neue Aktualität erhalten. Zur Beziehung der Stadt zu DITIB erklärte Hilgen, man habe keine zum Dachverband, halte aber Kontakt zu den drei Kasseler DITIB-Gemeinden. „Wir unterhalten uns.“ Den Gesprächsfaden wolle er gerade in diesen schwierigen Zeiten deutsch-türkischer Beziehungen nicht abreißen lassen.

Die Kritik der Kasseler Linke, wonach bei besagtem Moscheefest eine rote Fahne mit drei weißen Halbmonden als Symbol einer rechtsnationalen türkischen Gruppierung geschwenkt worden sei, wies der OB als „nicht haltbar“ zurück. „Es wurde bei der Veranstaltung keine Fahne der Grauen Wölfe gezeigt.“

Es habe sich bei der Flagge um das Requisit einer Mehter-Band gehandelt. Diese Gruppen treten im Stil und in der Tradition osmanischer Militärkapellen auf und verwenden osmanische Fahnen, so Hilgen.

Zwar werde eine solche Fahne seit 1969 auch von der rechtsnationalistischen türkischen MHP benutzt, die als parlamentarischer Arm der „Grauen Wölfe“ gelte, sie sei aber wesentlich älteren Ursprungs und könne im Kontext der Feier nicht als Symbol der Grauen Wölfe gewertet werden.

Sehr enttäuscht von Hilgens Äußerungen im Ausschuss zeigte sich der Stadtverordnete Ilker Sengül (Linke). Bundesweit sei die Kritik an DITIB parteiübergreifend, werde auch von SPD und Grünen geäußert.

Entsetzt zeigte sich Sven R. Dreyer (AfD), dass Kassels OB „unkritisch und undifferenziert“ die Rechtfertigung der DITIB-Gemeinde übernehme. Bertram Hilgen mit Blick auf Sengül (Linke) und Dreyer (AfD): „Zwischen ihnen sitze ich richtig.“

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.