Nach Tierquälerei in Lohfelden: Brutale Jugendliche sind nur Einzelfälle

Kassel. Jugendliche missbrauchten vor einer Woche in Lohfelden zwei Enten als Fußball. Die Vögel starben dabei. Zwei junge Frauen entstellten sich mit einem Messer gegenseitig die Gesichter. Fälle, die die Bevölkerung erschüttern und den Eindruck vermitteln, dass die Jugend verroht, die Kriminalität bei jungen Menschen zunimmt.

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Diese Wahrnehmung trügt aber, wie ein Blick in die Polizeistatistik zeigt. „Das sind bedauerliche Einzelfälle, die das subjektive Empfinden der Bürger bestimmen“, sagt Polizeihauptkommissar Michael Grieneisen, Jugendkoordinator im Polizeipräsidium Nordhessen. Die Jugendkriminalität habe in den vergangenen Jahren nicht zugenommen. Die Zahl der Tatverdächtigen stagniere oder sei in Teilen sogar rückläufig. Im Jahr 2009 registrierte die Polizei in der Stadt Kassel 2100 Tatverdächtige, die jünger als 21 waren. Im vergangenen Jahr waren es 1935. Im Landkreis gibt es die gleiche Tendenz: 1046 junge Tatverdächtige im Jahr 2009 stehen 959 im Vorjahr gegenüber.

Gleichzeitig habe sich das Anzeigeverhalten der Bürger verändert, sagt Grieneisen. Wurden Sachbeschädigungen früher von den Eltern geregelt, gingen die Geschädigten heute viel öfter zur Polizei. Jugendliche würden meist wegen Sachbeschädigung, Ladendiebstahl, Schwarzfahren oder Körperverletzung angezeigt, sagt der Polizist.

Körperverletzung komme allerdings nicht so häufig vor, sagt Dr. George von Soest, Abteilungsleiter im Jugendamt der Stadt Kassel. Im Vorjahr gab es 148 Anklagen wegen Körperverletzung. In diesem Jahr rechnet man im Jugendamt mit etwa 150 Fällen. „Die Jugend ist nicht brutaler geworden. Die Menschen aber sensibler“, sagt von Soest. Und dieses subjektive Empfinden bereite vielen Bürgern Angst.

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