Nach Todesfall: Sicherung soll weitere Unfälle verhindern

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Doppelt abgesichert: Tim Rudolph öffnet den schweren Metalldeckel des Containers, an dem das Unglück geschah. Ein Metallstab und ein kleines Schutzblech (über dem Zeigefinger) sollen für größtmögliche Sicherheit sorgen.

Kassel. Was der 42-jährige Mann in dem Container auf dem Recyclinghof in Bettenhausen suchte, ist bis heute nicht geklärt. Fest steht, dass er an jenem Samstag Anfang September 2011 seitlich auf den großen Behälter mit Elektroschrott geklettert ist.

Er muss sich nach vorn gebeugt haben und ist dann vermutlich mit dem Fuß abgerutscht. Das wurde ihm zum Verhängnis. Unbeabsichtigt betätigte er so ein Rädchen, das die Hydraulikpumpe in Gang setzte. Der mehrere Hundert Kilogramm schwere Metalldeckel klemmte den Mann ein, der trotz des Einsatzes einer Notärztin an den Verletzungen starb.

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„Für uns war das ein Schock“, sagt Stefan Weiland, Werkstattleiter bei den Stadtreinigern. Natürlich habe man sich gefragt, ob man selbst vielleicht Fehler gemacht habe. Mittlerweile gebe es ein Gutachten der Prüfgesellschaft Dekra. Demnach war der Unglückscontainer in einem technisch einwandfreien Zustand. Trotzdem haben die Stadtreiniger Konsequenzen aus dem Unfall gezogen. Über dem Rädchen, mit dem man die Hydraulik des schweren Deckels bedient, wurde ein Schutzblech angebracht.

Nachgerüstet

Es kann jetzt nicht mehr aus Versehen betätigt werden. Die Herstellerfirma hat zudem einen Metallstab nachgerüstet, der den Deckel mechanisch abstützt. Nach menschlichem Ermessen müsste es jetzt eigentlich unmöglich sein, dass sich der Deckel unbeabsichtigt schließt.

Fotos aus dem Archiv: Kassel: Tödlicher Unfall auf Recyclinghof - Mann in Container eingeklemmt

Kassel: Tödlicher Unfall auf Recyclinghof - Mann in Container eingeklemmt

Auf den beiden Recyclinghöfen ist es nach Angaben der Stadtreiniger bislang nur zu diesem einen schweren Unfall gekommen. Niemand habe sich vorstellen können, dass so etwas passieren könne, sagt Birgit Knebel, Sprecherin der Stadtreiniger. Es sei verboten, Schrott aus den Containern herauszunehmen. Manche Dinge könne man einfach nicht voraussehen.

Betrunkener im Container

Es sei noch gar nicht so lange her, dass Mitarbeiter einen Betrunkenen in einem Altpapiercontainer gefunden hätten. Der habe dort seinen Rausch ausschlafen wollen. Kurz bevor der Behälter mit dem Altpapier und dem Mann ausgeschüttet werden sollte, hätten die Müllwerker eine Stimme aus dem Container gehört und das Ausladen abgebrochen. So ging zumindest dieser Fall glimpflich aus.

Von Thomas Siemon

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