"Er war ein Sonnenschein"

Nach tödlichen Schüssen in Niederzwehren: Gedenkfeier für das Opfer

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War sehr beliebt: Der gewaltsame Tod von Shpetim Aloci berührt Freunde und Wegbegleiter.

Die Trauer um den erschossenen 21-jährigen Shpetim Aloci in Kassel ist groß. Erzieherinnen, eine Lehrerin und der Pfarrer aus Niederzwehren erzählen von dem jungen Mann. 

Der 21-jährige Shpetim Aloci, der am Donnerstagabend vergangener Woche mit mehreren Schüssen auf der Knorrstraße in Niederzwehren getötet worden ist, wurde am Sonntag im Kosovo, der Heimat seiner Eltern, beigesetzt. Das hat einer seiner Brüder bei Facebook gepostet. In der Nachricht hat sich der Bruder auch für die große Anteilnahme bedankt, die er uns seine Familie in den vergangenen Tagen erfahren haben.

Auch in Kassel soll eine Gedenkfeier für den 21-Jährigen stattfinden, am Freitag, 16. August, 16 Uhr, in der Matthäuskirche in Niederzwehren. In der Gemeinde ist man sehr erschüttert über den gewaltsamen Tod des 21-Jährigen. Als Grundschüler hat Shpetim Aloci den Hort der Matthäusgemeinde besucht. Ebenso wie seine vier Geschwister, zwei Schwestern und zwei Brüder. „Wir haben immer sehr engen Kontakt zu der Familie gehabt“, sagt Gudrun Okulla, Leiterin der Kita der Matthäuskirche. Die Familie sei in Niederzwehren gut integriert.

Alle seien über den Tod des jungen Mannes sehr schockiert, sagt Erzieherin Christiane Wolff. Auch wenn es lange her sei, dass sie Shpetim betreut habe, so habe sie ihn immer wieder mal getroffen. So erst wieder im vergangenen Jahr, als sie den jungen Mann „hoch motiviert“ erlebt habe. Er sei ein sehr aufgewecktes, intelligentes und sportliches Kind gewesen. „So ein kleiner Wildfang, den man einfach lieb hat“, sagt Wolff.

Pfarrer sprach mit Jugendlichen über die Tat

Der evangelische Pfarrer Dietrich Hering wird bei der Andacht auch einige Worte über Trauer und Hoffnung sagen. „Shpetim gehörte zu uns“, sagt Hering, auch wenn der junge Mann Muslim gewesen ist. Er habe mit Shpetim zu tun gehabt, bis dieser 15 oder 16 war. Hering beschreibt ihn als freundlichen, aufgeweckten, sehr kommunikativen und witzigen Menschen. Er habe in den vergangenen Tagen mehrfach an dem Tatort an der Knorrstraße gestanden und mit vielen Jugendlichen über die Tat gesprochen, sagt Hering. „Die sind alle fix und fertig.“

Das Bedürfnis, um auch in Kassel von ihm Abschied nehmen zu können, sei nicht nur bei den Mitarbeitern des Horts groß. Die christliche Andacht sei für alle offen, die dem jungen Mann gedenken wollten.

Dorthin wird auch seine ehemalige Lehrerin Anke Hardt gehen. Die Lehrerin für darstellendes Spielen und Tanztheater hat Shpetim Aloci drei Jahre lang am Lichtenberg-Gymnasium in Oberzwehren unterrichtet. Auch als er das Gymnasium verlassen hat, um sein Fachabitur zu machen, habe er weiterhin die Theater-AG besucht.

„Für mich ist das unglaublich und unfassbar, was da geschehen ist“, sagt Anke Hardt. Shpetim sei ein „wunderbarer, sensibler, ausdrucksstarker Spieler und Tänzer gewesen. Er habe bei verschiedenen Aufführungen mitgemacht, zum Beispiel den Don Pedro in Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ gespielt. Er habe die Fähigkeit besessen, für die Gruppe Verantwortung zu übernehmen. Seine Familie sei ihm sehr wichtig gewesen. Wenn jemand schlechte Laune hatte, habe Shpetim ihn aufgemuntert. „Er war ein Herzchen, ein Sonnenschein, er war charmant.“

Shpetim Aloci habe auch energisch auftreten können, sei aber nicht aggressiv gewesen, sagt die Lehrerin. Sie kann nicht verstehen, dass der 26-jährige Tatverdächtige, der Shpetim erschossen haben soll, eine Waffe dabei hatte. „Wir sind doch nicht in den USA.“

Ob die Waffe, die bei dem Verdächtigen gefunden worden ist, illegal war, darüber macht die Polizei aus ermittlungstechnischen Gründen keine Angaben.

Shpetim Aloci wurde am vergangenen Donnerstag auf offener Straße erschossen

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