Müssen alle Zeugen neu aussagen?

Nach Totschlag an Reuter-Schule in Kassel: Prozess könnte länger dauern

Kassel. Der Totschlag-Prozess gegen einen Mann, der einen anderen an der Reuter-Schule in Kassel getötet haben soll, könnte länger dauern. Es muss über mehrere Beweisanträge entschieden werden.

Der Prozess gegen einen 35-jährigen Mann aus dem Trinkermilieu wegen des Verdachts des Totschlags könnte sich erheblich in die Länge ziehen, wenn die sechste Strafkammer des Kasseler Landgerichts einen Beweisantrag seines Verteidigers zulässt. Rechtsanwalt Christoph Prasse (Münster) hat am Donnerstag bei der Verhandlung gefordert, dass ein neues psychiatrisches Gutachten über seinen Mandanten erstellt wird. Grund: Das erste Gutachten sei aus verschiedenen Gründen „mangelbehaftet“.

Der 35-Jährige soll laut Anklage in der Nacht zum 19. Oktober 2016 vor der Julius-Reuter-Schule in der Nordstadt im Streit den gleichaltrigen Steven N. mit einem Messerstich in den Hals so schwer verletzt haben, dass der Mann wenig später im Klinikum starb

Damals gab es auch ein massives Problem mit der Trinkerszene in Nord-Holland: Direkt vor der Reuter-Schule versammelten sich regelmäßig Drogen- und Alkoholkranke.

Der Göttinger Psychiater Dr. Georg Stolpmann war in seinem Gutachten zu dem Ergebnis gekommen, dass der Angeklagte, der schon mehrere Entgiftungen hinter sich hat, unter einer dissozialen Persönlichkeitsstörung leidet. Der Mann stelle eine Gefährdung für die Allgemeinheit dar, hatte Stolpmann ausgeführt. Er ist in seinem Gutachten zu dem Schluss gekommen, dass der Angeklagte bei seiner Tat eingeschränkt schuldfähig gewesen ist. Zudem seien die Voraussetzungen erfüllt, den 35-Jährigen auf unbestimmte Zeit in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen (§ 63 Strafgesetzbuch).

Dagegen wehrt sich die Verteidigung. Ein neuer Gutachter werde zu dem Ergebnis kommen, dass sein Mandant an keiner dissozialen Persönlichkeitsstörung leide und auch nicht seine Unterbringung in der Psychiatrie erforderlich ist, führte Prasse aus.

Die sechste Strafkammer unter Vorsitz von Richter Volker Mütze muss nun bis zum nächsten Verhandlungstag am Freitag, 10. November 2017, über den Antrag entscheiden. Sollte dieser stattgegeben und ein neuer Gutachter beauftragt werden, hätte das zur Folge, dass die gesamte Beweisaufnahme in diesem Totschlag-Prozess wiederholt werden müsste, erklärte Mütze. Das bedeute, dass alle Zeugen vor der Strafkammer erneut aussagen müssten.

Ob der Angeklagte, der sich bislang zu dem Tod von Steven N. noch nicht geäußert hat, doch noch einlassen möchte, steht auch noch nicht fest.

Rubriklistenbild: © Pixabay

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