Kasseler und Schauenburger wurden in Brakel überfallen - Prozess endet mit Freispruch

Nach Überfall auf zwei junge Männer: Der Falsche stand vor Gericht

Kassel/Paderborn. Ein Raubüberfall auf zwei junge Männer aus Kassel und Schauenburg hat einen Mann aus Brakel vor Gericht gebracht. Aber nicht ins Gefängnis.

Das Landgericht Paderborn sprach den 23-Jährigen jetzt vom Vorwurf des versuchten schweren Raubes frei. Die Opfer hatten sich wohl vertan.

Im November 2015 absolvierten der 22-jährige Kasseler und der 20-Jährige aus Schauenburg einen Teil ihrer Ausbildung beim Berufsbildungswerk in Brakel (Kreis Höxter). Abends besuchten sie eine Spielothek. Als sie wieder gingen, verfolgte sie ein Trio, das zuerst den 20-Jährigen attackierte. Er bekam einen Tritt auf die Nase, seinem Freund hielt einer der drei Täter ein Messer an die Rippen. Das Räubertrio suchte ohne Beute das Weite, als einer von ihnen sagte: „Der blutet!“

Die beiden Raubopfer erstatteten Anzeige. Aber die Ermittlungen kommen erst am Tag darauf richtig in Gang, als der Schauenburger an einer Tankstelle einen Mann bemerkt, der ihn komisch ansieht. „Der kam mir bekannt vor, da habe ich das Kennzeichen notiert und die Polizei informiert“, sagte der 20-Jährige jetzt als Zeuge in der Verhandlung vor dem Landgericht Paderborn.

Tatsächlich gelangten die Kripo-Ermittler zu einem 23-jährigen Arbeiter, der wegen ein paar unbedeutender Jugendverfehlungen in einer Datei gespeichert ist. Als den beiden Überfallenen bei der Polizei Fotos vorgelegt wurden, glaubten sie, den 23-Jährigen wiederzuerkennen – und er galt fortan als Beschuldigter.

Zweiter Anlauf für Prozess

Es war der zweite Anlauf für die 1. Große Strafkammer des Landgerichts, weil der Angeklagte zum ersten Prozesstermin nicht erschienen war. Er habe sich bei der Ladung nichts gedacht, schließlich wisse er ja nichts von dem, was ihm vorgeworfen werde. „Ich war gar nicht da“, beteuerte er.

Und legte gleich eine ganze Reihe von Beweisen vor, dass er am Tatabend im November 2015 weit weg war, nämlich für seine Firma in Dülmen (Kreis Coesfeld) auf Montage. Das hatte der Arbeitgeber dem Gericht mittlerweile bestätigt.

Die aus Kassel und Schauenburg angereisten Zeugen taten ihr Übriges, die Anklagevorwürfe krachend in sich zusammenbrechen zu lassen. Der Kasseler sagte mit Blick zum mutmaßlichen Räuber: „Das Gesicht kenne ich überhaupt nicht.“ Bei der Polizei, so wurde in den Vernehmungsakten festgehalten, war er sich zu 100 Prozent sicher, dass der Mann auf dem Foto einer der Täter sei. Wollte der Schauenburger damals den Brakeler mit gerade mal 30-prozentiger Gewissheit erkannt haben, war er nun felsenfest überzeugt: „Ja, der war’s. Ziemlich sicher.“

Staatsanwaltschaft und Verteidigung beantragten – wenig überraschend – einen Freispruch. Auch für die Strafkammer war klar: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war der Angeklagte nicht am Tatort. Wer tatsächlich die beiden Azubis überfallen hat, bleibt somit ein Rätsel.

Von Ulrich Pfaff

Rubriklistenbild: © Foto: dpa

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