„Ich habe gleich ein ungutes Gefühl gehabt"

Nach Überfall auf Pizzaboten: Betriebsleiter spricht von folgenschwerem Irrtum

Hatte ein ungutes Gefühl: Sergej Diehl, stellvertretender Betriebsleiter bei Joey’s Pizzabringdienst, alarmierte am Samstagabend die Polizei. Sein Kollege wurde trotzdem überfallen. Foto:  Pflüger-Scherb

Kassel. „Wenn ich gewusst hätte, dass das so läuft, hätte ich meinen Kollegen nicht zu der Adresse geschickt“, sagt Sergej Diehl, stellvertretender Betriebsleiter bei Joey’s Pizzabringdienst am Holländischen Platz. Am Wochenende wurde einer seiner Pizzaboten überfallen. Und das, obwohl die Polizei verständigt wurde.

„Ich habe gleich ein ungutes Gefühl gehabt, dass mit dem Anrufer etwas nicht stimmt. Schließlich bin ich schon länger dabei“, sagt Diehl.

Als Diehl am Samstagabend über Notruf die Polizei anrief, um mitzuteilen, dass er den Verdacht habe, dass einer der Pizzaboten überfallen werden soll, konnte er nicht wissen, dass es zu einem folgenschweren Irrtum kommen würde. Diehl hatte - wie die Aufzeichnungen bei der Polizei belegen - am Telefon angegeben, dass die von dem verdächtigen Anrufer bestellte Pizza um 21.30 Uhr an eine Wohnanschrift an der Grebensteiner Straße 21 ausgeliefert werden soll.

Das bestätigt Polizeisprecherin Sabine Knöll, die das Band mit dem aufgezeichneten Anruf am Montag selbst abgehört hat. Warum der Beamte in der Einsatzzentrale an die Revierbeamten weitergegeben hat, dass um 21 Uhr möglicherweise ein Überfall stattfinden soll, müsse man nun intern klären, so die Polizeisprecherin. Zudem müsse auch die Frage beantwortet werden, warum die Streifenbeamten bereits um 21.10 Uhr den Einsatz an der Grebensteiner Straße abgebrochen haben.

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Knöll konnte am Montag nicht sagen, warum kein Polizist bei dem Pizzaservice angerufen habe, um zu fragen, warum kein Bote - wie zuvor verabredet - an der Grebensteiner Straße eingetroffen war. Solch ein Anruf hätte das Missverständnis mit den unterschiedlichen Uhrzeiten aufklären können. Wären die Beamten noch um 21.30 Uhr am Tatort gewesen, hätten sie vermutlich auch die beiden Räuber festnehmen können.

Nachdem der 18-jährige Fahrer mit seinem Motorroller am Samstagabend bei der Adresse an der Grebensteiner Straße angekommen war, habe er einen jungen Mann auf dem Parkplatz gegenüber stehen sehen. Der Bote stieg ab und fragte, ob der Mann etwas bestellt habe, so die Polizeisprecherin.

Plötzlich sei ein zweiter Täter aufgetaucht. Einer habe den 18-Jährigen ins Gesicht gegriffen und in den Schwitzkasten genommen. Die Räuber hätten Geld verlangt. Nachdem sie das Portemonnaie mit zwölf Euro bekommen hätten, seien sie beiden abgehauen und hätten dem Boten noch zugerufen: „Du weißt, was dann passiert, wenn du hinterherläufst.“

Das Opfer konnte nur einen Täter beschreiben. Bei ihm soll es sich um einen Mann südländischen Typs handeln, der 20 bis 25 Jahre alt, 1,80 Meter groß und muskulös ist. Er trug einen weinroten Pulli und eine Jeans. (use)

Hinweise: An die Polizei unter Telefon 0561/9100.

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