Mann hatte Jungen aufgelauert

Nach Übergriffen auf Toilette: Kinder nutzen Lehrer-Klo

+
Schulhof-Patrouille: Die Mütter (von links) Sonja Müller, Sankutlu Rukiye, Sabine Böttger, Jeannie Knippschild und Chantal Mendel sorgen auf dem Gelände der Losseschule (im Hintergrund) für Sicherheit in den Schülertoiletten (rechts). Gegen die Kälte haben sich die Frauen in mitgebrachte Decken gehüllt, Aufwärmen dürfen sie sich in der Schulbücherei.

Bettenhausen. Seit gestern dürfen 125 Grundschüler der Losseschule in Bettenhausen die Lehrertoiletten im Schulhaus mitbenutzen. Auf den normalen Toiletten hatte am vergangenen Donnerstag ein unbekannter Mann zwei Jungen aufgelauert und wollte die Kinder in der Toilette fotografieren.

Die Polizei ermittelt, es geht um weitere Fälle auch an der direkt benachbarten Osterholzschule sowie der Grundschule am Eichwäldchen.

In der Losseschule wurde gestern Vormittag entschieden, die Lehrertoiletten für Kinder freizugeben, die während der Schulstunden mal aufs Klo müssen, berichtet Schulleiterin Heike Ackerhans. Am Donnerstag, 21. November, ist ein Elternabend geplant, um die Eltern zu informieren und Tipps auch der Polizei weiterzugeben. Mit den Kindern wurde bereits im Unterricht besprochen, wie sie sich in solchen Fällen verhalten sollen.

Mehrere Mütter hatten sich sofort bereit erklärt, den Schulhof zu bewachen, um zu verhindern, dass sich wieder ein Unbekannter außerhalb der Pausen in die abgelegenen Schülertoiletten schleicht. Auch gestern Vormittag waren die Frauen auf Schulhof-Patrouille: „Es geht um unsere Kinder.“ Chantal Mendel sagt: „Wir gehen davon aus, dass das ein Triebtäter ist.“ Es müsse alles getan werden, um Schlimmeres zu verhindern und für Sicherheit an der Schule zu sorgen, sind die Mütter überzeugt. Die Freigabe der Lehrertoiletten sehen sie als ersten Erfolg. Sie wollen aber „nicht lockerlassen“ und durchsetzen, dass die Stadt weitere Toiletten im Schulhaus einbauen lässt, um den Kleinen den besonders im Herbst und Winter beschwerlichen Weg über den Hof zu ersparen.

Auch an der Grundschule Eichwäldchen mit 125 Schülern haben die Pädagogen reagiert und mit den Kindern über das richtige Verhalten im Unterricht gesprochen, berichtet Schulleiterin Lucia Schreiber. Ein Kind der Schule war auf dem Heimweg von einem im Auto sitzenden Mann angesprochen worden. Ein Unbekannter hatte zudem ein Kind angesprochen, ob er es mal umarmen dürfe. In beiden Fällen ermittelt nach Anzeigen der Eltern die Polizei.

Jetzt würden mehr Eltern ihre Kinder zur Schule bringen und auch wieder abholen, sagt die Schulleiterin. Zudem würden auch manche Eltern auf dem Schulgelände nach dem Rechten sehen.

An der Osterholzschule, einem sonderpädagogischen Förderzentrum mit 100 Schülern von der ersten bis zur neunten Klasse, gibt es laut Schulleiterin Ute Gößlinghoff nur sehr wenige Grundschulkinder. Die Fälle an der Osterholzschule seien anders gelagert, die Pausenaufsichten seien besonders wachsam. „Wir sind auch sehr besorgt“, sagt die Leiterin der Ganztagesschule.

Hintergrund: Polizei verstärkt Streifendienst

Die Polizei sucht nach den Übergriffen auf Grundschüler in Bettenhausen weiter nach dem Unbekannten. Bisher gab es noch keine brauchbaren Hinweise auf den oder die Täter, sagte Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch auf Anfrage der HNA.

Die Polizei sei im Bereich der drei Grundschulen verstärkt mit Streifen in Uniform und Zivil im Einsatz, um einer Verunsicherung entgegenzuwirken. Es gebe auch intensive Kontakte in die Schulen, die zudem mit den polizeilichen Präventions-Spezialisten zusammenarbeiten würden. Das Ziel sei, die Grundschulkinder zum richtigen Verhalten anzuhalten, aber nicht zu verunsichern. „Das ist eine Gratwanderung“, sagt Jungnitsch. Man dürfe auf keinen Fall eine Panik schüren, sondern müsse besonnen reagieren. Die Polizei bittet weiter um Hinweise (Polizeirevier Ost, Tel. 910 2520). „Wir sind auch nicht böse, wenn ein Hinweis mal nicht zutreffend sein sollte“, sagt Jungnitsch.

Im Kasseler Rathaus gibt es am heutigen Dienstag ein Gespräch zwischen dem städtischen Schulverwaltungsamt und dem Staatlichen Schulamt. Das Ziel sei, gemeinsam eine Lösung im Interesse der Schüler zu finden, sagt Stadt-Pressesprecher Ingo Happel-Emrich. Die Entscheidung des Kollegiums der Losseschule, die Lehrertoiletten im Schulhaus ab sofort während der Unterrichtszeit für die Schüler zu öffnen, werde auf jeden Fall unterstützt.

Ob und wie die Stadt Kassel als Schulträger die Situation durch den Einbau weiterer Toiletten im Schulhaus im kommenden Jahr verbessern könne, darüber soll in den nächsten Tagen beratschlagt werden. Die Losseschule hatte dies bereits vor zwei Jahren beantragt. (ach)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.