Alte Technik ist weiter Problem

Nach Unmut bei Kasseler Feuerwehren: Neue Regelung sorgte für Frieden

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Im Einsatz: Die Kasseler Feuerwehr bei einem Brand in Waldau im Juni.

Kassel. Lange Zeit hatte unter den Dächern der sieben Freiwilligen Feuerwehren in Kassel ein Schwelbrand geglimmt. Der Grund: Die 230 freiwilligen Feuerwehrleute fühlten sich nicht richtig eingebunden in die Einsätze der Kollegen von der Berufsfeuerwehr.

Deshalb wurde die Organisation auf neue Beine gestellt. Mittlerweile werden die Freiwilligen Feuerwehren bei Einsätzen in ihren Stadtteilen sofort mitalarmiert. Nach einem halben Jahr der Erprobung zogen der Stadtbrandinspektor und die Feuerwehrleitung ein positives Resümee.

Ein Kraftakt: Der 16 Mio. Euro teure Umbau der Feuerwache I an der Wolfhager Straße/Ecke Fallersleben-Straße ist nach fast fünfjähriger Bauzeit in diesem Sommer abgeschlossen worden. Fotos: Feuerwehr

Der für die Feuerwehr zuständige Brandschutzdezernent und Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD) beschreibt das frühere Problem so: „Viele waren bei den Freiwilligen Feuerwehren unzufrieden. Immer nur trainieren und auf der Ersatzbank sitzen ist schlecht für die Motivation.“ Die freiwilligen Brandschützer hätten früher bei Einsätzen oft nur die Wachen nachbesetzt, während die Berufsfeuerwehrleute ausgerückt seien. Seit 1. Februar ist das anders: In dem halben Jahr hat man bereits 174 Einsätze gemeinsam bestritten. Das sei eine enorme Steigerung, denn im gesamten Jahr 2013 seien die Freiwilligen Feuerwehren insgesamt nur zu 143 Einsatzorten gefahren, sagt Stadtbrandinspektor Jörg Straßer. 2012 waren es sogar nur 100 gemeinsame Alarmierungen. In einem zweiten Schritt sei geplant, die Feuerwehren auf Einsatzgebiete zu spezialisieren.

Der stellvertretende Leiter der Feuerwehr, Andreas Giller, stellte klar, dass es bei der Zusammenarbeit nicht darum gehe, Personal bei der Berufsfeuerwehr einzusparen. Vielmehr seien die freiwilligen Feuerwehrkräfte eine „willkommene Ergänzung“ zu den 245 Berufskräften.

Wichtig sei die stärkere Einbindung auch deshalb, so Straßer und Giller, da viele freiwillige Feuerwehrleute – anders als früher – heute nicht mehr an ihrem Wohnort arbeiteten. Das bedeute, dass sie oft nicht flexibel und unmittelbar zum Einsatzort kommen könnten. Deshalb müssten genug Nachwuchskräfte gewonnen werden, um die personelle Basis zu erhalten. Die Aufgabe sei aber vor allem dann attraktiv, wenn man auch in Einsätze eingebunden werde.

Warten auf Bund und Land

Ein weiteres Problem steht der Feuerwehr noch bevor. Denn insbesondere die Katastrophenschutzfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehren sind veraltet. Sie seien im Durchschnitt 27 Jahre alt und müssen bald ausgemustert werden, sagt Straßer. Brandschutzdezernent Kaiser sagte, der Bund habe angekündigt, demnächst ein neues Fahrzeug zur Verfügung zu stellen. Auch das Land habe Zuschüsse in Aussicht gestellt. Aber da auch die Stadt ihren Anteil leisten müsse und der Haushalt wenig Spielräume biete, müsse er schauen, wann eine Neuanschaffung möglich ist.

Von Bastian Ludwig

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