Nach Vorwürfen zu Spenden

Nach Vorwürfen zu Spenden: So funktioniert Zahngold-Sammlung

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Wiegen die Zahngolddosen zum zweiten Mal: Vorstandsmitglied Evelin Bernhard (links) und Regina Radtke.

Kassel. Zahnarzt Dr. Rüdiger Utech hat eine Diskussion über den Förderverein „Zahnärzte und Patienten helfen Kindern in Not“ ausgelöst, dessen Vorsitzende seine Ex-Frau Birgit Bode ist.

Utech hat in einem Brief hinterfragt, ob in dem Verein finanziell alles mit rechten Dingen zugeht. Wir erklären, wie die Zahngold-Sammlung funktioniert:

„Akribischer als wir kann man das nicht machen“, sagt Evelin Bernhard. Die Zahnärztin gehört dem Vorstand des Kasseler Fördervereins „Zahnärzte und Patienten helfen Kindern in Not“ an.

Einmal im Jahr, vor den Osterferien, würden die Dosen mit dem Zahngold in den 130 beteiligten Praxen in ganz Nordhessen eingesammelt, sagt Bernhard. Nur ein Ehrenamtlicher sei vom Verein autorisiert, die Dosen abzuholen. Der Mann will sich aus Angst vor Überfällen nicht fotografieren lassen.

Er erzählt, dass er innerhalb von vier Wochen in Nordhessen über 2000 Kilometer zurücklegt, um alle Dosen einzusammeln. In der Regel werde er von einem weiteren ehrenamtlichen Vereinsmitglied bei den Touren begleitet.

Zunächst werde die verplombte Dose in der Zahnarztpraxis gewogen, sagt Bernhard. Das Gewicht werde auf einer Quittung festgehalten, die sowohl von dem Zahnarzt beziehungsweise einer Helferin als auch von dem Abholer unterschrieben werde. Es komme vor, dass Zahnärzte die Dosen entplombten, um größere Zahnteile einzuwerfen. Das sehe der Verein aber nicht so gern.

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Wo die Dosen nach der Abholung zwischengelagert werden, sagt Bernhard aus Sicherheitsgründen nicht. Am Mittwoch wurden die etwa 130 Dosen von einem Mitarbeiter der Hanauer Heraeus Holding GmbH, wo das Zahngold eingeschmolzen wird, abgeholt.

Zuvor wurde jede Dose - im verplombten Zustand - beim Verein erneut gewogen. Zwischen 154 und 370 Gramm zeigte die Briefwaage an (abgezogen werden muss das reine Dosengewicht von 127 Gramm).

„Keiner von uns Vereinsmitgliedern kann sich hier irgendetwas einverleiben“, sagt Bernhard. In Anwesenheit des Heraeus-Mitarbeiters wurden die Dosen dann entplombt und geleert.Ein geruchsintensives Unterfangen aufgrund der Zahnreste.

Münzen oder andere Teile, die nicht zum Einschmelzen gedacht sind, wurden entfernt. „Mich interessiert nur das Nettogewicht“, sagt der Mitarbeiter. Dann wurde zum dritten Mal gewogen: 11.280 Gramm Brutto-Ware hat der Mann gestern nach Hanau mitgenommen. „Das ist etwa genauso viel wie im vergangenen Jahr“, sagt Bernhard.

Nach der Homogenisierung vor einem Jahr sei dieses Nettomaterial übrig geblieben: 872 Gramm Palladium, 4,465 Kilogramm Gold, 469 Gramm Silber und 387 Gramm Silber, sagt Bernhard.

Der Verein habe dafür 186.000 Euro bekommen. 16.000 Euro Körperschafts- und Gewerbesteuer habe man davon abführen müssen, sagt Bernhard. Die Verwaltungskosten lägen unter zehn Prozent. 152.000 Euro seien im vergangenen Jahr in 113 soziale Projekte (darunter auch Einzelfälle von schwerstkranken Kindern) geflossen. Überschüsse würden ins nächste Geschäftsjahr mitgenommen, sagt Bernhard.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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