Nach Warnstreik und Kundgebung: Schärfere Streiks drohen

Kassel. Trams und Busse blieben im Depot, Kitas waren geschlossen, der Müll blieb an der Straße liegen: Der Warnstreik der Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Kassel ist am Donnerstag wie angekündigt abgelaufen.

Dennoch hielten sich die Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens in Grenzen.

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Bei weiteren Arbeitsniederlegungen könnten die Folgen allerdings gravierender sein, droht die Gewerkschaft Ver.di. Das könnte heißen, dass die Beschäftigten ohne Vorwarnung und für mehrere Tage die Arbeit niederlegen.

Auf den eintägigen Warnstreik hatten sich die Kasseler eingestellt. An den Haltestellen wurden nur wenige vom Ausstand der KVG-Mitarbeiter überrascht. Das Notdienstangebot in den Kitas wurde nicht ausgereizt, und in den Kliniken wurden vor allem planbare Operationen verschoben.

Bilder vom Streik in Kassel

Streik im öffentlichen Dienst in Kassel

Ein Verkehrschaos ist ausgeblieben. Viele Pendler waren aufs Auto umgestiegen, sodass im Berufsverkehr deutlich mehr los war, sagte Polizeisprecher Michael Lange. Während der Stoßzeiten habe sich der Verkehrs insbesondere am Altmarkt gestaut. „An vielen Stellen hat es aber nur eine oder zwei Ampelphasen länger gedauert als sonst“, sagte Lange.

Auch die Demonstrationszüge hielten den Verkehr nur kurzzeitig auf. Nach Schätzung der Polizei marschierten 2100 Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes aus ganz Nordhessen zur zentralen Kundgebung am Kasseler Rathaus, um ihren Forderungen lautstark Nachdruck zu verleihen. Dabei kündigte Christian Rothländer, Tarifkoordinator beim Ver.di-Landesbezirk, „wesentlich breitere und tiefgreifendere Streikmaßnahmen“ an, falls die öffentlichen Arbeitgeber ab Montag kein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen.

Ver.di fordert 6,5 Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 200 Euro monatlichen Zuwachs. Es komme der Gewerkschaft darauf an, für bessere Einkommen in den unteren Gehaltsgruppen zu sorgen, sagte Rothländer. „Unsere Forderungen sind finanzierbar“, sagte er. Städte und Gemeinden erzielten in Folge des Wirtschaftsaufschwungs inzwischen deutlich bessere Einkünfte. Davon verlange die Belegschaft einen gerechten Anteil, nachdem sie sich in vergangenen Tarifrunden zurückgehalten habe.

Nach Gewerkschaftsangaben haben sich 4000 Beschäftigte in Nord- und Mittelhessen an Streikaktionen beteiligt. Heute soll der Betrieb in allen Einrichtungen wieder normal laufen. Nächste Woche werden die Tarifgespräche in Potsdam fortgesetzt. Ver.di halte an den Forderungen fest, sagte Rothländer. Ob es zu weiteren streikbedingten Alltagsbeeinträchtigungen komme, „das hat nun die andere Seite in der Hand.“

Von Marcus Janz und Axel Schwarz

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