Dienstzeit bei der Bundeswehr zwischen zwölf und 23 Monaten - Mindestalter 18 Jahre

Nach Wehrpflicht droht große Lücke: Kreiswehrersatzamt wirbt um Freiwillige

Anlaufstelle für Freiwillige: Das Kasseler Kreiswehrersatzamt auf dem ehemaligen Gelände der Jägerkaserne. Fotos:  Fischer/nh

Kassel. Nach dem Aussetzen der Wehrpflicht drohen der Bundeswehr erhebliche Personallücken. Zum Einberufungstermin am 1. April haben sich laut Bundesverteidigungsministeriums nur zehn Prozent der benötigten Freiwilligen gemeldet.

Auch das Kreiswerhersatzamt Kassel will die Werbung für Freiwillig erhöhen.  „Wir müssen die Werbung um Freiwillige deutlich verstärken“, sagt der Leiter des Kreiswehrersatzamtes Kassel, Werner Arndt. In der Region sehe die Bilanz bisher aber gar nicht so schlecht aus. Von 37 ausgeschriebenen Stellen habe man 21 durch Freiwillige besetzen können. Noch profitiere man davon, dass es durch die Musterungen bis Ende vergangenen Jahres Kontakte zu potentiellen Interessenten gebe. Nach der alten Regelung hätten in den ersten drei Monaten des Jahres 1600 junge Männer gemustert werden müssen. Die Zahlen sind rapide zurückgegangen. Jetzt stehen noch medizinische Tests für Auslandseinsätze, den Führerschein und einige Musterungen von Freiwilligen an. Einer von drei Ärzten ist bereits nach Fritzlar abgeordnet.

Kassel ist einer von fünf hessischen Standorten für Kreiswehrersatzämter. Die Diskussion um deren Zukunft hat längst begonnen. „Ich bin davon überzeugt, dass wir gute Chancen haben“, sagt Werner Arndt. Auf dem Gelände der ehemaligen Jägerkaserne an der Ludwig-Mond-Straße sind 97 Mitarbeiter beschäftigt.

Werner Arndt

Bis 1994 war die 2. Panzergrenadierdivision mit 4000 Soldaten in Kassel stationiert. Auf dem ehemaligen Kasernengelände in Bad Wilhelmshöhe ist das Wohnquartier Marbachshöhe entstanden. Die lange Bundeswehrtradition Kassels macht sich nach Einschätzung von Werner Arndt, dem Leiter des Kreiswehrersatzamtes, bis heute bemerkbar. „Die Kinder der ehemaligen Soldaten haben einen engeren Bezug zur Bundeswehr“, sagt er. Das sei ein Grund, warum sich hier mehr junge Menschen für den freiwilligen Wehrdienst meldeten als anderswo.

Trotzdem muss die Bundeswehr einiges für die Nachwuchswerbung tun. Meldungen von angeblichen Schikanen auf dem Segelschulschiff Gorch Fock und getöteten Soldaten in Afghanistan machen diese Aufgabe nicht leichter.

Den freiwilligen Wehrdienst können junge Männer und Frauen leisten, die mindestens 18 Jahre alt sind. Die Dauer beträgt zwischen zwölf und 23 Monaten (sechs Monate davon für die Grundausbildung). Reich kann man dabei nicht werden. Der Wehrsold liegt je nach Dauer und Dienstgrad zwischen 873 und 1242 Euro. Bei Auslandseinsätzen gibt es einen Zuschlag von bis zu 110 Euro täglich. Zudem wirbt die Bundeswehr mit kostenloser Unterkunft und Verpflegung sowie ebenfalls kostenloser ärztlicher Betreuung.

Karrierechancen

„Interessant ist der freiwillige Wehrdienst für junge Menschen, die nach der Schule noch einmal etwas anderes machen wollen“, sagt Michael Mahn, der zuständige Abteilungsleiter im Kreiswehrersatzamt. Je besser die Qualifikation der Bewerber, um so größer seien die Aufstiegmöglichkeiten. Der freiwillige Wehrdienst könne der Einstieg in eine Karriere als Zeitsoldat sein.

Das Bundesverteidigungsministerium will mehrere Millionen Euro für eine Werbekampagne investieren. Das scheint auch nötig zu sein, denn bundesweit ist das Interesse am freiwilligen Wehrdienst bislang gering.

Das Ministerium hat 160 000 Briefe an potentielle Kandidaten verschickt. Nur 4000 haben geantwortet und Interesse bekundet. Bisher konnten die Kreiswehrersatzämter noch auf Daten aus der Musterung zurückgreifen. Das ist jetzt vorbei. „Ab Juli bekommen wir auch nicht mehr automatisch die Erfassungsdaten von den Kommunen“, sagt Werner Arndt.

Stattdessen erhalten junge Leute der Jahrgänge 1988 und 1989 Post. Sie können dann entscheiden, ob ihre Daten an die Kreiswehrersatzämter weitergegeben werden. „Wir werden darauf reagieren und noch stärker als bisher auf Berufsbörsen und bei Ausstellungen unsere Angebote präsentieren“, sagt Arndt.

Mit dem Ende der Wehrpflicht muss sich die Bundeswehr umstellen. Freiwillige kommen nur, wenn der Dienst attraktiv ist.

Hotline: (sechs Cent aus dem Festnetz) 0180 29 99 64 0

Von Thomas Siemon

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