Ärger um Bebauung an der Rasenallee: "Ungleichbehandlung"

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Muss frei bleiben: Auf dem Grundstück von Jürgen Krakowsky darf kein Wohnhaus entstehen. Er wollte mit seiner Frau am Hühnerbergweg selbst bauen. Im Hintergrund steht ein Haus aus der Nachkriegszeit, das Bestandsschutz hat.

Kassel. Jürgen und Christa Krakowsky haben die Hoffnung aufgegeben. Seit Jahren wollen sie ihr Grundstück am Hühnerbergweg in Harleshausen bebauen. Das Amt für Stadtplanung aber lehnt ab.

Auf den ersten Blick scheint dessen Argumentation schlüssig: Es handele sich um ein Landschaftsschutzgebiet. Der Grünzug, der sich vom Habichtswald hinunter bis zum Wilhelmshöher Weg zieht, sei eine wichtige Frischluftschneise. Allerdings ist das gleiche Amt in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer wieder von diesen Maßstäben abgerückt.

So wurden einstige Ferienhäuser, die an der Rasenallee/ Ecke Hühnerbergweg standen, bis in die 90er-Jahre sukzessive zu Wohnhäusern umgebaut und zum Teil neu als massive Häuser hochgezogen. Das Ehepaar Krakowsky, das lange vor Gericht für eine Bebauung seines Grundstückes kämpfte, hatte in dem Zusammenhang schon 1977 ein Urteil des Kasseler Verwaltungsgerichtshofes erwirkt. Darin heißt es, dass die Gebäude an der Rasenallee rechtswidrig entstanden seien. Daraus war aber kein Recht für die Krakowskys ableitbar.

Die Wohnbebauung an der Rasenallee sei inzwischen durch eine Änderung des Flächennutzungsplanes legitimiert worden, sagt Carl Flore vom Amt für Stadtplanung. Wie die Baugenehmigungen zustande gekommen sind, wisse er nicht. Es seien wohl einfach „Fakten geschaffen“ worden. „Erst in den 90er-Jahren hat der Landschaftsschutz an Stellenwert gewonnen“, sagt Flore. Auch wenn eine Bebauung des Grundstücks der Krakowskys keinen Einfluss auf die Frischluftschneise habe, sei eine klare Grenze gezogen worden. Diese erlaube dort nur eine Gartenlaube.

„Das ist eine Ungleichbehandlung“, sagt Christa Krakowsky. Sie hält die Argumentation der Stadt auch deshalb für fraglich, weil in direkter Nachbarschaft zu ihrem Grundstück zwei Häuser aus der Nachkriegszeit stehen, die Bestandsschutz genießen. „Ein drittes stört dort niemanden und ist auch kein Eingriff in die Natur, weil es von einer Straße und einem Weg umschlossen ist“, sagt sie. Weil auf juristischem Weg nichts zu machen sei, hofft sie, dass die Stadt wegen des Grundstücksmangels ihre Situation und vermutlich noch weitere ähnlich gelagerte Fälle überdenkt.

Flore bestätigt, dass es sich um einen „Grenzfall“ handele, der schwer vermittelbar sei. Dass dieser zu Ungunsten des Ehepaares entschieden worden ist, sei für die Betroffenen ärgerlich, aber irgendwo müsse Schluss sein. Auch wenn eine beidseitige Bebauung von Straßen aus erschließungstechnischen Gründen prinzipiell sinnvoll sei, habe man sich im Fall des Hühnerbergweges dagegen entschieden.

Von Bastian Ludwig

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