Razzia im Stadtteil Wesertor

Nachbarn über Terrorverdächtige aus Kassel: „Die waren freundlich und nett“

Kassel. Die beiden Terrorverdächtigen, die am Dienstagmorgen in Kassel in ihrer Wohnung festgenommen wurden, werden von ihren Nachbarn als nette und freundliche Menschen beschrieben.

„Ich habe gedacht, mein Fernseher ist in die Luft geflogen“, sagt Frank Denzel. Der Rentner, der in einem Mehrfamilienhaus an der Gartenstraße (Wesertor) lebt, wurde am Dienstagmorgen um 5 Uhr allerdings nicht wegen eines technischen Defekts so unsanft aus dem Schlaf gerissen, sondern wegen eines Polizeieinsatzes in seiner Nachbarwohnung.

Dort sprengten Beamte die Eingangstür in die Luft, wie Denzel später feststellen sollte. Denn in der Wohnung neben ihm lebten bislang zwei Syrer, die verdächtigt werden, der Terrormiliz IS anzugehören und einen Anschlag in Deutschland geplant zu haben. Insgesamt wurden am frühen Morgen bundesweit acht Wohnungen in Hannover, Essen, Leipzig und Kassel durchsucht und sechs syrische Asylbewerber dabei festgenommen, allein vier in Kassel.

Er hat die beiden Terrorverdächtigen als nette und hilfsbereite Nachbarn kennengelernt: Frank Denzel lebt in der Nachbarwohnung der beiden Syrer, die am Dienstagmorgen bei einer Razzia in der Gartenstraße festgenommen worden sind. Foto:  Pflüger-Scherb

Die zwei Syrer, die neben ihm gewohnt haben, seien immer „freundlich und nett“ gewesen, sagt Denzel. Die hätten sich bemüht, Deutsch zu lernen und hätten ihm auch schon mal geholfen, schwere Einkäufe in den dritten Stock zu tragen. Zudem hätten sie ihn mal auf einen Tee und zum Shisharauchen eingeladen, berichtet der Rentner. Das habe er aber abgelehnt. Manchmal hätten in der Nachbarwohnung auch mehr Leute als die zwei Männer gewohnt. „Mal vier, mal sieben, mal zehn.“ Im Sommer hätten die auch schon mal auf einer Matratze auf dem Balkon geschlafen.

Dass seine Nachbarn einen Terroranschlag geplant haben sollen, schockiere ihn schon, sagt Denzel. „Man kann den Leuten ja nur immer vor den Kopf gucken.“ Vor ungefähr einem Jahr hätte es bei ihnen schon mal eine Razzia gegeben, erzählt der Rentner. Als er die beiden Syrer darauf angesprochen habe, hätten die gesagt, sie hätten keine Ahnung, was die Polizei von ihnen gewollt habe.

Was ihn allerdings jetzt ein wenig beruhige, so der Rentner, sei die Annahme, dass Terroristen vermutlich keine Anschläge in dem Haus verübten, in dem sie selbst wohnten.

Polizeieinsatz am frühen Morgen: Die tatverdächtigen Syrer wurden in einer Wohnung in dem Mehrfamilienhaus in der Gartenstraße (Wesertor) festgenommen.

Das sieht Sascha Gräfe genauso. Der 27-jährige Student lebt in der anderen Nachbarswohnung der festgenommenen Syrer. „Die werden doch ihren Nachbarn nichts tun“, sagt er am Vormittag, als er auf dem Weg zur Uni ist. Nach der Festnahme der beiden Flüchtlinge habe er allerdings absolut gemischte Gefühle. „Schade, dass dadurch auch wieder Vorurteile bestätigt werden“, sagt der Student. Er kann sich auch noch an die Razzia im vergangenen Jahr erinnern. „Da sind abends aber wieder alle nach Hause gekommen.“

Ihm gegenüber seien die beiden Männer, von denen man sich im Haus erzählt hätte, sie seien Brüder, jedenfalls sehr hilfsbereit gewesen, sagt Gräfe. Zum Beispiel, als er sich einmal ausgesperrt habe. Manchmal hätten sie auch Kinder zu Besuch gehabt.

Die Polizei hielt sich am Dienstagvormittag nach der Festnahme der Männer noch in deren Wohnung im dritten Stock auf. Zudem setzte ein Handwerker eine neue Eingangstür zur Wohnung ein.

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