Kasseler Schwerpunktpraxis bleibt

Nachfolger gefunden: HIV-Patienten sind in Kassel weiterhin versorgt

Kassel. Der Kasseler Internist Dr. Winfried Kallenbach hatte zwei Jahre nach einem Nachfolger für eine alteingesessene Praxis in der Innenstadt gesucht, die auch HIV-Patienten betreut.

Es ist eine gute Nachricht für rund 300 Patienten mit der Immunschwächekrankheit HIV in der Region: Es wird weiterhin eine Schwerpunktpraxis in Kassel geben, die sie versorgt. Zwei Jahre lang hatte der Kasseler Internist und HIV-Spezialist Dr. Winfried Kallenbach bundesweit nach einem Nachfolger gesucht. Letztlich fand sich ein interessierter Kollege über einen privaten Kontakt.

Klaus Herkersdorf, der zuvor zehn Jahre lang als Oberarzt im Kasseler Elisabeth-Krankenhaus gearbeitet hatte, übernahm im April die seit den 1960er-Jahren bestehende Hausarztpraxis in der Oberen Königsstraße 47.

Und er wird auch weiter für die HIV-Patienten da sein, die mitunter 100 Kilometer fahren, um hier behandelt zu werden. Denn dies ist die einzige HIV-Schwerpunktpraxis weit und breit. Die nächsten befinden sich in Gießen, Frankfurt, Waake, Hannover, Bielefeld und Dortmund.

Ein halbes Jahr haben die beiden Ärzte in der Praxis zusammengearbeitet, bis sich Kallenbach endgültig von seinen Patienten und dem Praxisteam verabschiedete - mit dem guten Gefühl, dass auch die HIV-Patienten weiterhin gut versorgt sind.

Denn HIV sei ein sehr anspruchsvolles Thema, betonen die beiden Mediziner, Mindestens jedes viertel Jahr kommen die von der Infektion betroffenen Patienten zu Routinekontrollen. Zwar seien die Medikamente heute in der Regel gut verträglich, doch müssten die Medikamente sehr sorgfältig aufeinander abgestimmt sein. „Viele Medikamente vertragen sich nicht miteinander“, erläutert Kallenbach. So kann es sein, dass mitunter schwere Nebenwirkungen auftreten oder die Wirkung der HIV-Medikamente, die das Virus in Schach halten, geschwächt wird.

Bei einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung hätten die Patienten aber voraussichtlich eine normale Lebenserwartung. Kompliziert werde es aber oftmals, wenn die Patienten älter werden und andere Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes hinzukommen, betont Herkersdorf. In jüngster Zeit sei die Zahl der HIV-Patienten, die in der Kasseler Schwerpunktpraxis behandelt werden, noch einmal deutlich angestiegen. Darunter seien viele Migranten, vor allem junge Frauen aus Afrika. Der größte Teil seien aber „ganz normale Bürger“, so wie ein 70-Jähriger, der sich bei einem Urlaub in Thailand infizierte. Am meisten betroffen seien homosexuelle Männer.

„Die Infektionsgefahr ist ein bisschen aus dem Bewusstsein gerückt“, bedauert Herkersdorf. Vielleicht würden einige auch leichtsinniger, weil man die Krankheit heute besser behandeln könne. Dazu will der 56-jährige Internist, Pneumologe und Allergologe, der in Marburg Medizin studiert hatte, auch weiterhin beitragen.

Rubriklistenbild: © dpa

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