Nachfolger gesucht: Vielen Handwerksbetrieben fehlen Chefs

Kassel. Immer mehr Unternehmer in Nordhessen suchen Nachfolger für ihre Betriebe – im Handwerk stärker als in Industrie und Handel. „Bis 2020 steht bei 2226 Handwerksbetrieben eine Übernahme aus Altersgründen an.

 Das sind 20 Prozent“, sagt Barbara Scholz, Sprecherin der Handwerkskammer Kassel (HWK). Hinzu komme, dass es seit 2011 mehr sogenannte Übernahmebetriebe als interessierte Nachfolger gebe. Mit Betriebsschließungen sei daher in den kommenden Jahren zu rechnen.

Auch die Industrie- und Handelskammer Kassel (IHK) verzeichnet einen Anstieg bei jenen Betrieben in Nordhessen, die vor einer Übernahme stehen. Zählte die IHK Kassel im Jahr 2010 genau 28 Verkaufsangebote, waren es im Jahr 2011 schon 36 – „Tendenz steigend“, sagt IHK-Fachberaterin Uta Wudonig. „In allen Branchen und Betriebsgrößen ist das zu beobachten.“ Ursache sei der demografische Wandel, erläutert Thomas Rudolff, Sprecher der IHK Kassel. Der ohnehin schon spürbare Fachkräftemangel setze sich bis zu den sehr gut ausgebildeten Meistern fort, die einen Betrieb übernehmen könnten. „Oft ist eine Karriere in der Wirtschaft inzwischen aber deutlich attraktiver als die Übernahme eines Familienbetriebs“, sagt Rudolff.

Zudem unterschätzten aktuell 50 Prozent aller willigen Jungunternehmer die Anforderungen einer Übernahme. „60 Prozent haben Schwierigkeiten bei der Finanzierung“, sagt IHK-Unternehmensförderer Carsten Heustock. Größtes Hemmnis aber sei, dass 80 Prozent der Senior-Unternehmer sich nicht rechtzeitig auf die Übergabe vorbereiteten, fügt Heustock an. Mindestens fünf Jahre vor Ausscheiden müssten sich Firmenchefs mit dem Thema intensiv beschäftigen. Dass ungeklärte Unternehmensnachfolgen letzlich auch Betriebsschließungen zur Folge haben können, ist für beide Kammern, IHK und HWK, denkbar.

Von Boris Naumann

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