Nachfolger vom ermordeten Dr. Walter Lübcke

„Da musst du erst einmal reinwachsen“: Hermann-Josef Klüber tritt als Kassels neuer RP schweres Erbe an

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Auf dem Weg nach oben: Hermann-Josef Klüber, seit Ende September neuer Regierungspräsident, im Treppenhaus des Kasseler RP-Sitzes.

Hermann-Josef Klüber ist der neue Regierungspräsident von Kassel. Er ist der Nachfolger des im Juni erschossenen Dr. Walter Lübcke. Wir stellen ihn vor.

Der Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke hat auch das Leben seines Stellvertreters verändert. Hermann-Josef Klüber, der bis dahin vornehmlich im Hintergrund wirkende Vize, ist nach dem unfassbaren Tod seines Chefs plötzlich in die erste Reihe vorgerückt. Seit Ende September, also seit einigen Tagen, steht der 63-Jährige nun ganz offiziell als neuer Kasseler Regierungspräsident an der Spitze der rund 1500 Mitarbeiter zählenden Mittelbehörde.

Klüber tritt ein schweres Erbe an. Der Mord an seinem Vorgänger begleitet ihn von Termin zu Termin. „Lübcke ist immer noch überall präsent“, sagt der Nachfolger. Zum Beispiel kürzlich bei seinem Besuch der Immobilienmesse Expo Real in München. Da sei jedem bewusst geworden, dass Nordhessen noch im Jahr zuvor durch Walter Lübcke und den ebenfalls verstorbenen Regionalmanager Holger Schach vertreten wurde. Ähnlich falle die Reaktion bei anderen Veranstaltungen aus, bei denen er erstmals anstelle von Lübcke auftauche. „Da musst du erst einmal reinwachsen“, betont Klüber. Und meint sich selbst.

Hermann-Josef Klüber freut sich über Herausforderungen als RP von Kassel

Trotzdem freue er sich über die Herausforderung als neuer RP. Das sei ein wichtiges Amt, um die Region mitzugestalten. „Ich bin gerade dabei, rein formal im Alltag anzukommen“, berichtet er über seinen Start. Schwierig sei es durch seine derzeitige Doppelfunktion. Seine Nachfolge, die Stellvertretung, sei noch nicht geregelt, die Stelle nicht einmal ausgeschrieben.

Man habe ihn wohl auch deshalb als Nachfolger ausgewählt, um Kontinuität und Ruhe zum Ausdruck zu bringen, vermutet Klüber. Er sei Jurist und ein ganz anderer Typ als der Wirtschaftswissenschaftler Lübcke. Als Vize habe er in der Behörde vor allem nach innen gewirkt, der Präsident vor allem repräsentativ nach außen. „Lübcke und ich – wir waren ein hervorragendes Team.“

Neuer Regionalplan nicht nur für Nordhessen

Kassels neuer RP Klüber ist Osthesse, reist von Fulda mit der Bahn zur Arbeit an. Nein, die Nordhessen müssten keine Sorgen haben, dass mit ihm jetzt Schwerpunkte anders gesetzt würden. Doch wünscht er sich, dass die fünf nordhessischen Landkreise und der eine osthessische Landkreis Fulda enger zusammenwachsen. Dass die Region sich um eine Gebietskulisse bemühen und dies auch sprachlich zum Ausdruck bringen müsse. So soll der neue Regionalplan den Titel „Nordosthessen“ tragen und nicht nur „Nordhessen“.

Klübers Dienstzeit beträgt eigentlich nur etwas mehr als zwei Jahre. Ende 2021 erreicht der politische Beamte offiziell die Altersgrenze. In seiner Zeit als RP will Klüber gern den neuen Regionalplan beschlossen wissen, der „theoretisch“ Ende 2020 vorliegen werde. Das sei ein „sportlich-ambitioniertes Ziel“, so Klüber, müsse doch der umstrittene Teilregionalplan Energie, bei dem es auch um die Vorrangflächen zum Bau von Windkraftanlagen geht, integriert werden.

Hermann-Josef Klüber: "Ich wollte nie in die Verwaltung"

Als Aufgabe sieht der neue Chef auch das RP-interne Demografieproblem an. Bis 2025 verliere man aus Altersgründen die Hälfte der Mitarbeiter vom Stand 2015 – damit auch deren Fachwissen. Fortschritte erhofft er sich bei der Digitalisierung im RP und in der Region. In Sachen Online-Barriefreiheit solle sich das RP Kassel gar „an die Spitze der Bewegung“ setzen.

„Ich wollte nie in die Verwaltung“, sagt der Verwaltungschef. Längst schätze er aber die vielfältigen Aufgaben der Behörde. „Das ist total spannend.“ Und das ist mindestens eine große Gemeinsamkeit, die Hermann-Josef Klüber mit seinem Vorgänger Lübcke gemein hat.

Von Andreas Herrmann

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