Nach Todesfällen

Sie können Leben retten: Nachfrage nach Kohlenmonoxid-Meldern in Kassel steigt

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Ob in der Küche oder der Garage: Das Gas Kolenmonoxid kann an mehreren Stellen im Haus auftreten, hauptsächlich dort, wo Verbrennungsprozesse stattfinden. Das können zum Beispiel defekte Heizungsanlagen, Gasthermen in Bädern, Kamine oder Holzöfen aber auch laufende Autos in der Garage sein. Auf keinen Fall sollten Kohlegrills in Innenräumen benutzt werden.

Kassel. Es riecht nicht, ist geschmack- und geruchlos, unsichtbar und doch lebensgefährlich: Die Rede ist von Kohlenmonoxid(CO). In Kassel ist die Nachfrage nach CO-Meldern gestiegen.

Mehrfach gab es tragische Unfälle: In Esslingen bei Stuttgart starb kürzlich eine vierköpfige Familie. Ein von der Heiztherme führendes Rohr hatte sich aus dem Kaminrohr gelöst. Das Gas gelangte in die Wohnung.

Kohlenmonoxid-Melder (CO-Melder) können das Gas aufspüren. Es gibt sie in Baumärkten. In Baden-Württemberg waren sie nach dem Unglück vielerorts ausverkauft. Auch in Kassel ist die Nachfrage nach den CO-Meldern gestiegen. Ein Kasseler Baumarkt hat bereits Lieferprobleme. Der Grund: Der Hersteller kommt mit der Produktion nicht mehr nach.

Starke Nachfrage in Kassel

Der Bauhaus-Markt in der Holländischen Straße hat noch CO-Melder, aber: „Wir merken, dass die Nachfrage deutlich gestiegen ist“, sagt Kai Kurbjuweit, der für die Werkzeugabteilung im Markt zuständig ist. Während er früher nur vereinzelt CO-Melder verkauft habe, seien es seit der Berichterstattung über die Unfälle in einem Monat mehrere Dutzend Stück. „Ich empfehle die Melder in Kombination mit Rauchmeldern“, erklärt Kurbjuweit. Die Kosten für einen Melder lägen bei 20 bis 40 Euro.

Der Kasseler Obi-Markt stellt ebenfalls einen deutlichen Nachfrageanstieg fest. „Es kommen täglich fünf bis sechs Kunden, die gezielt danach fragen, sagt Mitarbeiterin Christina Kolzenburg. „Wir empfehlen die Geräte für Leute, die einen Ofen oder eine Gasheizung haben“, erklärt sie weiter. Viele Kaminbesitzer fragten mittlerweile danach.

Michael Maurer, Obermeister der Schornsteinfegerinnung

Michael Maurer, Obermeister der Schornsteinfegerinnung Kassel, sieht die CO-Melder als zusätzliche Sicherheitseinrichtung. Noch wichtiger seien Rauchmelder, denn der bei Bränden entstehende Rauch trete häufiger auf als Kohlenmonoxid in der Wohnung. Viele Unfälle passierten aus Unwissenheit oder grobem Unfug, etwa wenn der Kohlegrill in den Wintergarten geholt werde.

Wichtiger als die CO-Melder sei die Kontrolle der Feuerungsanlagen durch den Schornsteinfeger. „Wir kontrollieren, ob alles richtig funktioniert, damit kein Kohlenmonoxid in die Wohnräume gelangen kann“, erklärt er. Für Lüftungsanlagen gebe es Vorgaben, um zu verhindern, dass diese Abgase ansaugen.

Ein weiteres Problem sei, dass Bedienungsanleitungen nicht gelesen würden. „Wir bemängeln falsche Installationen. Für die Behebung der Mängel ist aber der Eigentümer verantwortlich“, sagt Maurer. Belüftungsanlagen müssten mit einer Sicherheitseinrichtung ausgestattet sein. „Das kann ein Schalter sein, der dafür sorgt, dass das Fenster geöffnet sein muss“, erklärt Maurer.

Darum ist Kohlenmonoxid so gefährlich

Kohlenmonoxid (CO) ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas. Es entsteht bei der unvollständigen Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Stoffen bei unzureichender Sauerstoffzufuhr. So kann es bei der Verbrennung in Gasthermen, Öfen oder Kaminen entstehen. Das Gas ist für den Menschen giftig, da es stärker an den roten Blutfarbstoff Hämglobin bindet als Sauerstoff und den Sauerstofftransport im Blut behindert.

Die Vergiftung kann innerhalb kurzer Zeit tödlich sein. Erste Symptome einer Vergiftung sind Kopfschmerzen, Schwindel oder grippeähnliche Symptome. Gasspürgeräte oder Kohlenmonoxidmelder können das Gas, das leichter als Luft ist und sich in geschlossenen Räumen zunächst an der Decke sammelt, erkennen und rechtzeitig warnen.

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