Nachfrage nach Wohnraum steigt - Preise für Immobilien gehen in Kassel nach oben

Samuel-Beckett-Anlage in Kassel

Kassel. Die Nachfrage nach Wohnraum ist in Kassel wieder gestiegen. Das gilt für Mietwohnungen und Eigentum. „Wir beobachten, dass der Wohnungsmarkt angezogen hat“, sagt Ingrid Steinbach, Leiterin des städtischen Wohnungsamtes.

Der Leerstand von öffentlich gefördertem Wohnraum habe von 2,5 Prozent im Jahr 2009 auf aktuell 1,5 Prozent weiter abgenommen. Besonders gefragt seien aber nicht nur kleine Wohnungen von den vielen in Kassel lebenden Singles und Studenten, sondern auch attraktive Immobilien, die acht Euro und mehr pro Quadratmeter kosten. Auch in Kassel suchten immer mehr Führungskräfte, die alle paar Jahre ihren Job wechselten, hochpreisige Wohnungen zum Mieten.

Ältere Menschen ziehen aus dem Speckgürtel wieder in die Stadt zurück und Jüngere bleiben von vornherein in Kassel, nennt Wolfram Kieselbach, Vorsitzender des Eigentümerverbandes Haus und Grund Kassel, zwei Gründe für die steigende Nachfrage. Der Trend der 60er und 70er-Jahre, als junge Familien raus aufs Land gingen, sei rückläufig.

In den vergangenen Jahren seien zudem kaum neue Wohnungen gebaut worden, sagt Siegfried Putz, Pressesprecher des Maklerverbandes IVD in der Region. Mehr Einwohner und wenige Neubauten führten seit etwa eineinhalb Jahren zu einer höheren Nachfrage, was auch steigende Preise zur Folge habe.

Bei Neuvermietungen gebe es Preissteigerungen bis zu zehn Prozent, sagt Putz. Steinbach geht davon aus, dass die Kaltmieten in Kassel weiter ansteigen. Das hänge auch mit der Finanzmarktpolitik, sprich den steigenden Zinsen, zusammen.

Auch für Häuser und Eigentumswohnungen würden wieder bessere Preise erzielt, sagt Putz. Für eine gebrauchte Eigentumswohnung mit drei Zimmern in einer guten Lage müsse man pro Quadratmeter mittlerweile mit 1000 bis 1500 Euro rechnen. Das seien fünf bis zehn Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. Dass für Eigentumswohnungen wieder höhere Preise erzielt werden, bestätigt auch Wolfram Kieselbach.

Dabei spiele die Lage der Immobilie nach wie vor die entscheidende Rolle. Liegt die Immobilie in einem westlichen Stadtteil Kassels, ist das aus Sicht des Verkäufers gut. Als Beispiel nennt er die neuen Eigentumswohnungen in der Beckett-Anlage, die ganz schnell verkauft worden seien. Kieselbach macht aber auch deutlich: Die immens hohen Preise, die Mitte der 90er-Jahre für Immobilien in Kassel gezahlt werden mussten, würden immer noch nicht erreicht.

„Der Trend geht auch wieder zum Betongold“, sagt Putz. Die Menschen legten nach der Wirtschaftskrise ihr Geld verstärkt in Immobilien an. Auch wenn bei solch einer Anlage die Rendite nicht besonders hoch ist, sei sie doch vergleichsweise risikoarm.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.