Cineplex-Capitol zeigt Kultstreifen

Als das Nachkriegs-Kassel für kurze Zeit zum Filmstar wurde

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Großes Kino: Dreharbeiten mit Heinz Erhardt und der Treppenstraße im Hintergrund in „Der letzte Fußgänger“.

Kassel. In den 1950er-Jahren erlebte Kassel eine kurze Blüte als Filmstadt. Daran erinnert die Reihe „Hollywood an der Fulda“ mit Kultstreifen wie „Rosen für den Staatsanwalt“ ab Sonntag im Cineplex-Capitol. Wir zeigen die Drehorte von damals.

Die spektakuläre Verfolgungsjagd vom Ständeplatz bis zur Wolfsschlucht war damals eine Sensation. Vor dem Musikhaus Eichler sprang im Sommer 1958 Meisterdetektiv Nick Knatterton (Karl Lieffen) in einen offenen Ford 17 M, hing wie eine Fahne an einem fahrenden Lkw, raste am damaligen Capitol-Kino vorbei und löste natürlich den spannenden Fall.

„Der Raub der Gloria Nylon“ ist einer der Filmklassiker, die in den 1950er-Jahren in Kassel gedreht wurden. In der Reihe „Hollywood an der Fulda“ präsentiert das Cineplex-Capitol in Zusammenarbeit mit der HNA ein halbes Dutzend dieser Filme. Sie alle haben eines gemeinsam: Mit der Mischung aus moderner Nachkriegsarchitektur, Ruinen und attraktiven Parks bot Kassel vielseitig nutzbare Kulissen. So wurde die Stadt selbst für einige Jahre zum Filmstar.

Drehort Königstor: Heinz Erhardt im Autohaus Glinicke. Die Szene stammt aus „Natürlich die Autofahrer“.

Den Auftakt der Kinoreihe macht der mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnete Streifen „Rosen für den Staatsanwalt“. Für Walter Giller war 1959 die Rolle des ehemaligen Soldaten Rudi Kleinschmidt ein erster Höhepunkt seiner langen Karriere. 40 Jahre nach den Dreharbeiten ließ er sich noch einmal in seiner berühmten Pose als Krawattenhändler auf der Treppenstraße fotografieren.

Nicht ganz so bekannt, aber trotzdem sehenswert, ist der Curd-Jürgens-Film „Ohne dich wird es Nacht“. Die Dreharbeiten fanden unter anderem an der Treppenstraße und am Friedrichsplatz statt.

„Bei der Szene vor dem Café Paulus, wo Curd Jürgens und Eva Bartok Kaffee tranken, war ich dabei“, sagt Werner Baus (70). Der Filmexperte, der ein privates Kinomuseum in Helsa-Eschenstruth betreibt, hat damals beim Dreh zugeschaut. Eine Statistin sei direkt von der Straße engagiert worden. Die junge Frau habe damals fünf Mark für einen Miniauftritt als Passantin bekommen und von dem Geld eine Handtasche für ihre Mutter gekauft.

Kamera läuft: Die Reproduktion zeigt eine Szene aus den Dreharbeiten für den Film „Ohne dich wird es Nacht“ mit Eva Bartok und Curd Jürgens. Die Aufnahme entstand 1956. Fotos: Lengemann und Archiv Werner Baus

Werner Baus hat mitgelitten, als für den Film „Nachtschwester Ingeborg“ am Königstor gedreht wurde. Das Schaufenster des Borgward-Händlers sei damals bei einem gestellten Unfall zertrümmert worden. „Als Borgward-Fan fand ich es furchtbar, dass eines der wunderschönen Autos dabei kaputtging“, sagt Baus. In dem Film seien das EAM-Hochhaus am Scheidemannplatz und das damalige Stadtkrankenhaus (heute Klinikum) zu sehen.

Für die Heinz-Erhardt-Filme wurde unter anderem an der Goethestraße und am Altmarkt gedreht. Kassel bot in den 1950er-Jahren jede Menge Filmkulissen. Nicht nur für Zeitzeugen sei das interessant, sagt Christiane Rössler, die die Reihe im Capitol organisiert. „Wir wollen auch junge Leute ansprechen, die sich für Kassel als Filmstadt interessieren.“

Fotos: Hollywood an der Fulda

Hollywood an der Fulda: Filme an Kasseler Schauplätzen gedreht

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