Er schüttelte Elvis die Hand

Trauer um den Radiomacher Wolfgang Silaff aus Kassel

Wolf Silaff (von links) mit dem britischen Gitarristen Chris Spedding, Christine Helmeke vom Freien Radio Kassel und dem amerikanischen Rockabilly-Sänger Robert Gordon bei einem Elvis-Tribute-Fest in der Salzmannfabrik 2008.
+
Musikfreunde: Wolf Silaff (von links) mit dem britischen Gitarristen Chris Spedding, Christine Helmeke vom Freien Radio Kassel und dem amerikanischen Rockabilly-Sänger Robert Gordon bei einem Elvis-Tribute-Fest in der Salzmannfabrik 2008.

Am 1. August ist 71-jährig der Kasseler Radiomacher Wolfgang Silaff gestorben. Mit seinem großen Wissen und Erfahrungen in der Musikwelt war er eine Institution.

Kassel - Silaff hatte sogar Elvis die Hand geschüttelt. Für Fans von Rock ‘n’ Roll, Country, Blues und Beatmusik war er ein Guru. Wenige konnten so viel und anekdotenreich erzählen wie er, wenn es um Songs und Interpreten ging. In den vergangenen 15 Jahren hat Wolfgang „Wolf“ Silaff im Freien Radio Kassel Geschichte geschrieben. „Lonesome Traveler“, der Name einer seiner Sendungen, war eine Institution.

Jetzt ist Wolf Silaff im Alter von 71 Jahren gestorben. „Seine fachliche Kompetenz und seine Liebe zur Musik waren in jeder Sendung spürbar“, sagt Frank Weißenborn vom FRK. „Wir werden ihn schmerzlich vermissen.“

Es ist kaum zu glauben, aber schon als Kind war Wolf Silaff ein Rock-’n’-Roller und Fan. Mit einer Riesenportion Glück: Gerade mal neun Jahre alt, begegnete er seinem Idol Elvis Presley, sprach ihn kurzerhand mit „Hello“ an, schüttelte ihm die Hand und bekam vom King of Rock ‘n’ Roll eine Autogrammkarte geschenkt. Dass es zu diesem außergewöhnlichen Zusammentreffen kam, war Zufall. Oder Schicksal? Wolf befand sich auf Klassenfahrt in Südhessen und staunte nicht schlecht, als ihm in Friedberg Elvis auf der Straße begegnete. Der war seinerzeit als US-Soldat im Taunus stationiert.

Für Wolf Silaff, der später als junger Mann sein Haar wie Elvis zur Tolle gekämmt trug, war der Handschlag mit der Legende seine Sternstunde. Und machte ihn selbst zu einer kleinen Legende. „Nimmst du mit dieser Hand auch Segnungen vor?“ wurde er einmal während einer Sendung im Freien Radio gefragt. „Wolfs Leben war die Musik“, sagt seine Lebensgefährtin Waltraut Marie Röder-Spangenberg. Das kostbare Elvis-Autogramm sei übrigens im Laufe der Jahrzehnte verblasst.

„Abgesehen von seinem Treffen mit Elvis machte Wolf Silaff Erfahrungen, um die ihn Fans und Experten später heftig beneideten“, sagt Weißenborn. So wurde er 1964 im Hamburger Star-Club Zeuge des berühmten Konzerts von Jerry Lee Lewis, das als eines der Highlights der Rock’n’Roll-Zeit gilt.

In den 70er-Jahren trampte Silaff durch die USA und Kanada, besuchte Konzerte und traf die Stars des Rock-Zeitalters. So lernte er die Singer/Songwriter John Prine und Jerry Jeff Walker kennen. Beide starben 2020 und Silaff widmete ihnen ausführliche Radio-Gedenksendungen.

Mit Chuck Berry saß er auf dessen Veranda in Missouri, plauderte und trank Limonade. Den Woodstock-Veteranen Canned-Heat-Sänger Bob Hite besuchte er in Kalifornien und bestaunte dessen 70 000 Platten umfassende Blues-Sammlung. Aber auch in Europa war der Weltenbummler, der zwischen seinen vielen Reisen in Kassel eine Lehre zum Großhandelskaufmann absolvierte, unterwegs. 1970 erlebte er beim Festival auf der Isle Of Wight die Auftritte von Jethro Tull, den Who und Doors. Auch beim letzten Auftritt von Jimi Hendrix 1970 auf Fehmarn war Silaff dabei – wenige Wochen vor Hendrix’ Tod. Zu Beginn der 80er-Jahre betrieb Silaff in Norddeutschland eine Musikkneipe, bevor er einen Job beim Bremer Plattenlabel Bear Family annahm.

Später zog es Silaff wieder nach Kassel. Unter anderem war er bei der Kulturfabrik Salzmann an der Organisation von Veranstaltungen beteiligt. „Er war ein absoluter Fachmann auf seinem Gebiet“, sagt Heidrun Siegesmund vom FRK: „Niemand wird ihn ersetzen können.“ (Christina Hein)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.