Nur wenige Unternehmen aus der Region haben geschäftliche Beziehungen mit Firmen in Japan

Nachschub ist trotz Erdbebens gesichert

Kassel. Nur drei Prozent der deutschen Unternehmen exportieren nach Japan. Auch in der Region Kassel sind nur wenige Firmen mit dem Kaiserreich im Geschäft; weitaus mehr Unternehmen haben sich nach China orientiert. Firmen, die Lieferungen aus Japan bekommen, sehen derzeit noch keine Schwierigkeiten.

Honda-Händler Peter Jakob sieht für sein Autohaus an der Leipziger Straße 291 im Stadtteil Bettenhausen keine Nachschub-Probleme. Etwa 80 Prozent der in Kassel verkauften Fahrzeuge würden in England gebaut und von dort nach Deutschland geliefert, sagt Jakob.

Auch bei der Ersatzteil-Versorgung sei nicht mit größeren Problemen zu rechnen: „Da können wir Entwarnung geben.“ Das gelte auch für die Angst einiger Kunden vor radioaktiv verstrahlten Fahrzeugen aus Japan. Durch die überwiegende Produktion der Autos in Großbritannien für den europäischen Markt gebe es bei der Marke Honda keine Schwierigkeiten durch eine Verstrahlung.

Auch im Autohaus Hansmann, Vertragshändler für Mazda-Fahrzeuge mit Niederlassungen in Kassel an der Falderbaumstraße 2, Melsungen und Bad Hersfeld, sind keine Probleme mit dem Nachschub in Sicht. Die Fahrzeuge würden aus Japan geliefert. Da der Transport auf dem Seeweg sieben Wochen dauern kann, wird in nächster Zeit nicht mit Engpässen gerechnet.

Die in Kassel beheimatete Hübner-Gruppe, die weltweit unter anderem Faltenbälge, Fahrzeuggelenksysteme und flexible Übergangssysteme für Schienenfahrzeuge, Busse, Flughafentechnik und Nutzfahrzeuge liefert, hat zwar einen Standort im chinesischen Shanghai, ist aber in Japan nicht vertreten. Welchen Umfang Geschäftsbeziehungen und Lieferungen nach Japan bisher hatten, konnte das Unternehmen noch nicht verlässlich beziffern.

Intensive Geschäftsbeziehungen mit Japan hat die Werner Bosch Orgelbau GmbH in Niestetal, die seit 65 Jahren Kirchenorgeln in Familientradition fertigt. Von den seither gebauten 940 größeren Instrumenten stehen 100 in Japan, erklärt Geschäftsführer Martin Bosch. Erdbeben und Tsunami sowie die dadurch ausgelösten Atomkatastrophen „betrachten wir mit großer Sorge“, sagt Bosch.

Keine Orgeln beschädigt

Während bei dem Jahre zurückliegenden großen Erdbeben in Kobe mehrere Bosch-Kirchenorgeln in Mitleidenschaft gezogen worden waren und repariert werden mussten, stehen im jetzigen Katastrophengebiet keine Instrumente aus Niestetaler Produktion. Die Instrumente in Japan werden von einem Orgelbaumeister betreut, der seine Ausbildung in Niestetal absolviert hat, danach in seine Heimat zurückgekehrt ist und bis heute mit dem Familienunternehmen zusammenarbeitet. Im Volkswagenwerk Kassel in Baunatal gibt es durch Folgen der Katastrophen in Japan keine Probleme. SMA bekommt für die Produktion in Kassel und Niestetal Elektronik-Bauteile aus Japan. Über den Umfang können die Solartechnologie-Spezialisten noch nichts sagen, weil viel über Dritte geliefert wird. Beim Nachschub wird aber nicht mit Schwierigkeiten gerechnet, weil man auf andere Lieferanten ausweichen könne.

Das Daimler Achsenwerk Kassel bekommt aus Japan Lager, vor allem für den Transporterbereich. Aktuell gibt es keine Nachschub-Probleme, längerfristige Auswirkungen seien noch nicht absehbar. (ach / jop)

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