Nacht der Kirchen: 45 Kasseler Gotteshäuser luden zu Veranstaltungen ein

Am gedeckten Tisch: Über die festliche Tafel der katholischen Kirche St. Familia freuten sich Claudia Reuting, Anne Neyer, Renate und und Kathlin Gallo. Fotos: Malmus

Kassel. Nicht nur aus der Kirchenbank-Perspektive, sondern mit allen Sinnen ließen sich am Freitagabend Kassels Gotteshäuser erleben. 45 Kirchen öffneten bis Mitternacht ihre Türen und luden mit Andachten, Lichtinstallationen, Musik, Theater, Brot und Wein ein.

Und zwar zum Mitmachen, Zuhören, Austauschen und auch zum Innehalten „Das Schöne an der Nacht der Kirchen ist ja: Man kommt an Orte, an denen man vorher noch nie war“, sagt Petra Brietzke vom Kirchenvorstand der Klosterkirche Nordshausen und sprach damit wohl vielen Besuchern aus der Seele. Hier, in der ältesten Kasseler Kirche, gab der Posaunenchor ein Bläserkonzert im Glockenturm. Noch höher hinaus ging es die 156 Stufen zum Lutherkirchturm, wo Schwindelfreie nicht nur mit einem herrlichen Blick über Kassel, sondern auch mit Stücken des Blechbläserensembles „Quintessenz“ belohnt wurden.

Doch nicht nur klassisches und geistliches Liedgut wurde geboten: In der Emmauskirche überzeugte der Jugendchor Brasselsberg-Wilhelmshöhe mit einem ganz modernen Thema. In einer beeindruckenden Gesangs- und Tanzdarbietung widmeten sich die etwa 45 jungen Akteure dem 2009 verstorbenen Sänger und Mythos Michael Jackson. „God of Pop“ oder Gottes Kind?“ lautete hier die Frage, und die Begriffe Ikone und anbeten bekamen einen ganz anderen Anstrich. Mit donnerndem Applaus und Jubelrufen quittierten die vielen Besucher - die Bänke waren fast bis auf den letzten Platz gefüllt - das ungewöhnliche Konzert.

Aber auch Stille war Freitagabend willkommen: Etwa in der Adventskirche, wo Labyrinth und Mandala meditative Momente bescherten. Betörender Duft empfing die Besucher in der katholischen Kirche St. Familia: Hier stand die Rose als einzelner Blickfang unter dem Kreuz im Mittelpunkt. Nicht minder stimmungsvoll war die reich gedeckte und mit bunten Wiesenblumen geschmückte Tafel in der Mitte des Raumes.

Nacht der offenen Kirchen in Kassel

Riechen, schmecken, hören und sehen - in der Christuskirche gab es außerdem noch Angebote an den Tastsinn: beim Perlenkettenknoten etwa. Selbst biblische Geschichten konnte man erfühlen. „Sinn-Volle-Kirche“ lautete hier das Motto des Abends, erklärte Pfarrer Martin Becker. Zahlreiche Gemeindemitglieder seien in die Vorbereitungen miteingebunden worden, sagte er erfreut.

Dass sich die Mühe der zahlreichen Engagierten um das nächtliche Ereignis bezahlt gemacht hatte, dafür waren die vielen Besucher der beste Beweis: Mehr als 15 000 Menschen, so schätzte Dekanin Barbara Heinrich, strömten in die Kirchen oder verweilten bei milden Temperaturen vor den Gotteshäusern.

Von Anja Berens

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