Nach Randale in Freibädern: Nachtschwimmer im Visier

Rundgang in Harleshausen: Thomas Landau und Andy Ackermann (Wach- und Schließinstitut Bohrer) schauen, ob im Schwimmbad alles in Ordnung ist.

Kassel. „Ich find’s voll geil“, sagt das Mädchen. Ihre Freundinnen kichern am Beckenrand im Auebad. „Kommen wir jetzt in die Zeitung?“ Vor den drei männlichen Begleitern stehen zwei Flaschen Cola und zwei Flaschen Billig-Schnaps, eine ist fast leer.

„Wir sind alle nüchtern“, verkünden die jungen Leute im Alter zwischen 17 und 21 lachend, nachdem sie am späten Mittwochabend gegen 23.15 Uhr im Auebad erwischt worden sind. „Bekommen wir jetzt eine Anzeige?“, gackern die Mädchen. „Das hängt von den Städtischen Werken ab“, antwortet Heiko Erfurt, Einsatzleiter bei der Firma Bohrer. Mitarbeiter des Kasseler Wach- und Schließinstituts sind seit knapp drei Wochen jede Nacht im Auftrag der Städtischen Werke unterwegs, um nach Nachtschwimmern in den Freibädern Ausschau zu halten. Nach jenen Wasserratten, die in der Dunkelheit über Zäune klettern und die unerlaubte Erfrischung suchen.

Es ist kein neues Phänomen, dass junge Menschen in lauen Sommernächten in fremde Becken springen. Allerdings werden dabei immer mehr Sachbeschädigungen verübt. In der Nacht von Samstag, 3. Juli, auf Sonntag, 4. Juli (es war der heiße Tag, an dem Deutschland gegen Argentinien gewann), sei es besonders schlimm gewesen, sagt Heidi Hamdad, Sprecherin der Städtischen Werke. Bänke, Mülleimer und Flaschen hätten die Nachtschwimmer in allen drei Bädern ins Wasser geworfen. In Harleshausen sei der Schaden so hoch gewesen, dass am Sonntag erst später hätte geöffnet werden können.

Dies sei der Anlass gewesen, den Sicherheitsdienst zu beauftragen, sagt Hamdad. „Wir müssen dagegen vorgehen, denn solch ein Verhalten ist illegal und kann unsere Tages-Badegäste gefährden. Aber wir wollen den meist jungen Leuten auch nicht leichtfertig ihre berufliche Zukunft verbauen. Deshalb wägen wir ab, gegen wen wir Anzeige erstatten.“

In der Nacht zum Donnerstag müssen Heiko Erfurt und seine Kollegen Thomas Lan-dau und Andy Ackermann die Polizei ins Auebad rufen. Drei der sechs Jugendlichen können sich nicht ausweisen. Aber auch das Auftauchen der Beamten verdirbt die Laune der Gruppe nicht. Ein Beamter macht die jungen Leute darauf aufmerksam, dass sie immerhin Hausfriedensbruch begangen haben. Haben sie ein schlechtes Gewissen? „Nö“, antwortet ein Mädchen. „Das ist so ’ne Jugendsünde.“

Eine mit Folgen. Die Städtischen Werke werden gegen die sechs Jugendlichen Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs erstatten. Zudem bekommen alle Hausverbot. Das ist die härteste Sanktion, die die Werke bislang gegen Nachtschwimmer verhängt haben, sagt Hamdad. Grund sei das uneinsichtige Verhalten dieser Gruppe gewesen.

Von den bislang 29 erwischten Nachtschwimmern sind fünf mit einem Hausverbot davongekommen, 18 haben gar nur einen Brief mit einer Verwarnung erhalten. Solch einen Brief werden auch der 18- und der 19-Jährige erhalten, die Ackermann und Landau am frühen Donnerstag um 3.50 Uhr in Harleshausen erwischt haben. Da die beiden Schwimmer aber einsichtig waren und sofort mit ihren Sachen aus dem Bad verschwanden, dürfen sie wiederkommen. Tagsüber - während der Öffnungszeiten - versteht sich.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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