Wissenschaftliche Mitarbeiter fordern vom Uni-Präsidium bessere Arbeitsbedingungen

Nachwuchs begehrt auf

Sie bilden den Großteil des Uni-Personals: 1500 wissenschaftliche Mitarbeiter sind an der Uni tätig. Sie sind in der Regel auf befristeten Stellen beschäftigt. Foto: Uni Kassel

Kassel. Steigende Arbeitsbelastung und prekäre Beschäftigungsverhältnisse der wissenschaftlichen Mitarbeiter kritisieren das Mittelbaunetzwerk der Uni Kassel und der Personalrat der Hochschule. Die vom Uni-Präsidium im „Konzept zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses“ jetzt vorgeschlagenen Verbesserungen gehen den Betroffenen nicht weit genug. Die Uni-Leitung findet indes, dass alle Wünsche ausreichend abgewogen worden seien. Das Konzept soll noch im Sommer beschlossen werden.

Es gärt nicht erst seit gestern im sogenannten wissenschaftlichen Mittelbau, der an der Kasseler Uni mit 1500 Mitarbeitern die größte Personalgruppe ist und zu 85 bis 90 Prozent auf befristeten Stellen sitzt. „Seit einigen Jahren nehmen die Konflikte zu, weil die wissenschaftlichen Mitarbeiter an ihre Leistungsgrenzen geraten“, sagt Personalratsvorsitzende Elisabeth Beltz. Besonders problematisch sei die Befristung der Qualifikationsstellen (etwa für eine Promotion) von maximal vier Jahren. Neben den Dienstaufgaben seine Promotion in dieser Zeit gut abzuschließen, sei schwer möglich. Viele scheiterten auch komplett. „Auf diesen Stellen soll geforscht werden – in Ruhe, mit einer verlässlichen Vertragsperspektive, die den Lebensunterhalt sichert“, sagt Holger Schoneville vom Mittelbaunetzwerk.

Um die Mehrfachbelastung durch Promotion, Lehre und Forschung zu entschärfen, will die Uni in begründeten Fällen eine fünfjährige Beschäftigung ermöglichen. Dies reicht den Vertretern der Mittelbauinitiative nicht. Sie fordern eine sechsjährige Laufzeit, die im Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) so auch vorgesehen sei. „An anderen hessischen Unis sind die Regelungen großzügiger“, sagt Beltz. Dies gelte auch für den Fall, dass Akademikerinnen während ihrer Promotion Mutter werden.

Nach dem WissZeitVG, das nicht bindend für die Unis ist, sollen Doktorandinnen für jedes Kind zwei zusätzliche Jahre Zeit auf einer Stelle haben dürfen. Die Uni Kassel gewährt ein Jahr pro Geburt - unabhängig davon, ob weitere Kinder vorhanden sind. Viele verzweifelte junge Mütter seien deshalb schon bei ihr gewesen, sagt Beltz.

Zudem gebe es zu viele halbe Qualifikationsstellen, auf denen für 1200 Euro im Monat faktisch fast Vollzeit gearbeitet werde. Und Verträge, die durch Drittmittel finanziert werden, liefen oft nur wenige Monate.

Am 13. Juni wird sich der Senat mit dem neuen Nachwuchskonzept befassen. Eine Entscheidung trifft das Präsidium im Sommer.

Von Bastian Ludwig

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