Kampf um Fachkräfte

Nachwuchssorgen in der Region: Mangel herrscht in vielen Berufen

Kassel. Der Wettbewerb um Nachwuchskräfte ist hart: Neben der Baubranche haben auch Nahrungsmittelhandwerke, Handel, Gastronomie und der Pflegesektor zu kämpfen.

„Bau... Stelle mit Zukunft“ lautet das Wortspiel, mit dem das Bauhauptgewerbe aktuell junge Menschen umwirbt. Die verstärkten Bemühungen der Branche mit bundesweit knapp 800 000 Mitarbeitern kommen nicht von ungefähr. Für die Bauwirtschaft wird es im Wettbewerb um weniger junge Menschen im Lande immer schwieriger, genügend Nachwuchs zu finden.

Anne Fenge

Damit steht der Wirtschaftszweig zwar nicht allein da. Auch die Nahrungsmittelhandwerke, der Handel und die Gastronomie sowie der gesamte Pflegesektor haben schwer mit der Demografie zu kämpfen. Aber im Wettbewerb mit industriellen Arbeitsplätzen haben die Außenberufe oft einen besonders schweren Stand bei jungen Leuten. In Fabrikhallen steht man im Winter warm und trocken, der Haupturlaub wird im Sommer gewährt, und oft locken auch höhere Einkommen infolge von Schichtarbeit sowie eine Reihe von Vergünstigungen wie betriebliche Altersvorsorge und preiswerte Fahrzeuge, etwa bei Autobauern. Unterdessen spricht die demografische Entwicklung in der Bauindustrie eine deutliche Sprache. Im Jahr 2000 noch waren 11,1 Prozent der Beschäftigten 55 und älter, heute sind es fast 20 Prozent. Der Anteil der 45- bis 54-Jährigen stieg im selben Zeitraum von 21 auf 30,5 Prozent, dagegen sank der Anteil der bis 24-Jährigen von zehn auf aktuell nur noch 7,4 Prozent. Eine Entwicklung, die auch auf unsere Region zutrifft.

Derweil mangelt es der Branche in Kassel und Nordhessen nicht an Arbeit. Ganz im Gegenteil: Großprojekte wie der Weiterbau der Autobahnen  44 und 49, der Ausbau der A 7 auf sechs Spuren, das Breitbandkabelnetz sowie gewerbliche Investitionen wegen der guten Konjunktur und unzählige Baumaßnahmen privater Bauherr infolge niedriger Zinsen und geförderter energetischer Sanierung – zu tun gibt es derzeit mehr als genug für die Baubetriebe in der Region.

Burkhard Siebert

Und sie könnten noch weit mehr stemmen, wenn sie mehr Mitarbeiter hätten und Baugenehmigungsverfahren schneller und unkomplizierter wären. „15 Jahre allein für die Planung der neuen Bergshäuser Brücke – das ist doch ein Wahnsinn“, kritisiert Dr. Burkhard Siebert. Der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Hessen-Thüringen räumt aber auch ein, dass die staatlichen Planungsbehörden unter denselben personellen Problemen litten und und einfach nicht nachkämen. „Unsere Branche galt lange Jahre als unattraktiv“, sagt er. Dabei könnten die Perspektiven kaum besser sein.

Ungeachtet dessen fordert er eine Vereinfachung der „unheimlich komplizierten Verfahren“. Vielfach müssten diese Genehmigungsverfahren komplett neu aufgerollt werden, wenn sich Bauvorhaben nur geringfügig änderten.

Die Vorsitzende der Bezirksgruppe Nordhessen des Bauindustrie-Verbands Hessen-Thüringen, Dr. Anne Fenge, plädiert unterdessen für den Bau von mehr bezahlbarem Wohnraum und für mehr Fantasie und Kreativität. Es sei sehr wohl möglich gute Wohnungen zu attraktiven Preisen zu errichten.

Rubriklistenbild: © dpa

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