Selbstjustiz gegen angeblichen Dealer

Nackten gefesselt und fotografiert: Bewährungsstrafe für Vater und Sohn

Das Opfer kämpfte am Dienstag während seiner Vernehmung im Amtsgericht Kassel mit den Tränen. Bis heute leide er unter körperlichen Verletzungen und psychischen Folgen einer Tat, die vor über einem Jahr geschah.

Am Morgen des 25. Mai 2014 war der heute 20-jährige Mann von zwei Männern im Alter von 46 und 23 Jahren, einem Vater und dessen Sohn, in einem Haus in Kassel festgehalten und von ihnen gezwungen worden, sich vollständig auszuziehen. Mit Kabelbindern haben sie den damals 19-Jährigen an einem Balken gefesselt und mit einem Gürtel und einer Wasserwaage auf ihn eingeschlagen. Das Opfer erlitt zahlreiche Prellungen und Schürfwunden. Dafür wurden Vater und Sohn vor dem Amtsgericht jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung zu elf Monaten Haft auf Bewährung und 2000 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

Die beiden Männer hatten von dem nackten Opfer zudem Fotos gemacht und über Whatsapp an mehrere Empfänger abgeschickt. „Solche Fotos sind nie wieder wegzubekommen“, betonte die Nebenklage in ihrem Plädoyer.

Ins Gesicht geschlagen

„Gute Freunde von mir haben das Foto gesehen“, sagte der 20-Jährige. Nachdem die zwei Angeklagten ihn losgebunden hätten und er sich wieder angezogen habe, habe ihn der 23-jährige Angeklagte auf dem Weg zur Straße mit der Faust ins Gesicht geschlafen und sein altes Handy zerstört.

Die Angeklagten hatten vermutet, dass der damals 19-Jährige an ihren Sohn beziehungsweise jüngeren Bruder Drogen verkauft und dafür ein hochwertiges Smartphone der Mutter erhalten habe.

„Wir wollten ihm nur Angst einjagen, damit er niemandem mehr was verkaufen kann“, sagt der 46-jährige Angeklagte. Sein jüngerer Sohn sei an die falschen Freunde geraten und sei nicht mehr in die Schule gegangen. Die Familie habe Hilfe bei Ärzten und beim Jugendamt gesucht. „Es ist vieles passiert“, sagte der angeklagte Vater. Als eines Tages der jüngere Sohn ohne das teure Handy der Mutter nach Hause kam, habe sich der ältere Sohn auf die Suche nach dem neuen Handybesitzer gemacht, der nach einigen Telefonaten gefunden war. Dieser habe dem Sohn 200 Euro und Gras im Wert von 20 Euro für das iPhone gegeben.

Während der Vernehmung vermied der 20-jährige Geschädigte jeglichen Augenkontakt zu den beiden Angeklagten. Noch immer leide er unter den Folgen der Attacke. „Ich kann schwer einschlafen, fühle mich beobachtet und habe starke Gefühlsschwankungen.“

Ob der 20-Jährige tatsächlich mit Drogen gehandelt und sie an den jüngeren Sohn verkauft hat, darauf wurde bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht nicht näher eingegangen. (pju)

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