Holländische Straße und Wilhelmshöher Allee

Nahverkehrs-Pläne: Was die KVG verändern will

So lang ist eine Doppel-Tram: Auf unserem Bild stehen zwei Straßenbahnen hintereinander an der Haltestelle Königsplatz. Künftig will die KVG mit zwei zusammengekoppelten Bahnen auf der Linie 1 zwischen Bad Wilhelmshöhe und Vellmar fahren. Eine solche Tram hat dann 60 Meter Länge. Foto: Herzog

Kassel. Rappelvolle Straßenbahnen, genervte Fahrgäste, die an Haltestellen nicht mehr einsteigen können: Die Situation auf der Linie 1 ist nach Einschätzung der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) kritisch.

Das Unternehmen will deshalb künftig auf der Strecke zwischen Bad Wilhelmshöhe und Vellmar 60 Meter lange Doppel-Trams einsetzen, die jeweils maximal 300 Fahrgästen Platz bieten. Fragen und Antworten.

Was soll sich auf der Linie 1 ändern?

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- KVG will Doppel-Tram auf Linie 1 rollen lassen

Ab Herbst 2013 will die KVG die Linie 1 mit Doppel-Trams fahren. Dafür entfallen dann die Fahrten der Verstärkerlinie 1 E. Weil es dadurch weniger Fahrten gibt, müssen die Fahrgäste etwas länger warten, finden aber auf jeden Fall Platz in der Bahn, argumentiert die KVG.

Was passiert denn mit den Nachbarlinien auf der Strecke?

Auf der Wilhelmshöher Allee fährt die Linie 3 weiter wie bisher, auf der Holländischen Straße fahren weiterhin die einzelnen Bahnen der Linie 5.

Und was ist mit den Regiotram-Linien?

Die Regiotram-Linien 3 (Hofgeismar) und 4 (Wolfhagen) sollen ab Dezember 2013 über die Holländische Straße fahren. Weil jede Linie im Halbstundentakt fährt, sind das vier weitere Fahrmöglichkeiten pro Stunde. Das sorgt für zusätzliche Transportkapazität auf dem Streckenabschnitt. Eine Regiotram kann maximal 190 Fahrgäste mitnehmen.

Muss die Holländische Straße für die Regiotram-Züge umgebaut werden?

Ja. Dort müssen die Haltestellen verlängert werden. Und die KVG muss den Gleiskörper verbreitern, damit die Regiotram bis zur Schenkebier Stanne fahren kann. Die Stadt hat zur Auflage gemacht, dass zugleich die Fahrbahnen auf sechs Meter verbreitert werden, damit zwei Lkw nebeneinander fahren können. Das geht zulasten der Gehwege, die teilweise schmaler werden. Deshalb müssen auch Bäume weichen. Kassels Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) rechnet mit einem „Kampf um jeden Baum“ an der mit annähernd 40.000 Autos pro Tag meistbefahrenen Straße Kassels.

Und was passiert an der Wilhelmshöher Allee?

Dort werden nur Haltestellen verlängert. Umgebaut werden muss die Straße nicht, weil dort keine Regiotram fahren soll.

Müssen denn die längeren Straßenbahnen unbedingt alle durch die Fußgängerzone fahren?

Ja, sagt die KVG. Denn viele Fahrgäste wollen zur Königsstraße. Würden Bahnen über Stände- und Lutherplatz umgeleitet, steigen in diese Bahnen kaum noch Fahrgäste ein, so die Erfahrungen. Man habe nicht vor, die Kunden zu erziehen, sagt KVG-Vorstand Dr. Thorsten Ebert. Man bringe die Fahrgäste dorthin, wo sie hinwollen.

Könnten auf der Linie 1 nicht die zusätzlichen Einsatzfahrten von derzeit etwa sechs Stunden täglich zu den Spitzenzeiten morgens, mittags und nachmittags auf den ganzen Tag ausgeweitet werden? Dann bräuchte man keine Doppel-Tram.

Die derzeitigen Fahrten der Verstärkerlinie 1 kosten laut KVG 140.000 Euro jährlich. Würden die Zusatzbahnen von Betriebsbeginn bis 20 Uhr rollen, würde das 400 000 Euro im Jahr kosten. Das könne sich das Unternehmen nicht leisten, sagt Ebert: „Unbegrenzt Geld haben wir nicht.“

Was ist denn aus den Plänen geworden, neue Straßenbahnstrecken nahe der Uni am Holländischen Platz zu bauen?

Nichts. Eine Neubaustrecke auf der Kurt-Wolters-Straße wäre zu teuer und unwirtschaftlich. Ebenso eine Strecke vom Möncheberg hinunter zur Moritzstraße, was auch wegen der Topografie schwierig und teuer würde. Die Uni selbst hat sich von Plänen verabschiedet, die Tram durch den Campus rollen zu lassen. Die hochsensiblen Messgeräte der Naturwissenschaftler würden nämlich darunter leiden.

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