Kuriose Fälle beim Standesamt

Von Mali, Kali und dem Henner: Wie Kinder in Kassel heißen dürfen

Bei der Namensvergabe ist heute vieles Entscheidung des Standesbeamten: Frank Müsken hat aber noch das früher maßgebende internationale Handbuch der Vornamen im Regal. Foto: Ludwig

Kassel. Namen sind schön, ungewöhnlich, lustig und manchmal auch eine Bürde für den Träger. Ein Kasseler Standesbeamte erzählt aus seinem Alltag. Welche Namen sind zulässig, wer darf seinen Namen auf Wunsch ändern und welche Kombinationen von Nachnamen sind möglich.

Frank Müsken  ist der Herr der Namen. Der Standesbeamte entscheidet im Kasseler Rathaus etwa darüber, welche Vornamen zulässig sind und wann jemand seinen Vor- oder Nachnamen ändern darf. Dafür muss er nicht nur das deutsche Namensrecht kennen, sondern auch für in Kassel lebende Ausländer nach ausländischem Namensrecht entscheiden. Mit seiner Hilfe beantworten wir die wichtigsten Fragen und schildern Beispiele aus seiner Praxis.

Welche Vornamen dürfen Eltern ihren Kindern geben?

Bis vor wenigen Jahren galt ein restriktives Recht für Vornamen. Dieser musste der deutschen Rechtschreibung entsprechen, dem Wesen nach ein Vorname sein und man musste erkennen können, ob es sich um einen Jungen oder Mädchen handelt. Maßgebend war das internationale Handbuch der Vornamen. Dies alles gilt nicht mehr. Nach aktuellem Recht heißt es nur, der Vorname muss dem Wohl des Kindes entsprechen. Diese Bewertung nimmt der Standesbeamte vor. Das heißt, Eltern können sich im Prinzip jeden Namen ausdenken und beurkunden lassen. Müsken begrüßt diese Änderung: Karl-Friedrich sei schließlich irgendwann einmal auch allein der Fantasie entsprungen.

Welche ungewöhnlichen Vornamen wurden zuletzt in Kassel beurkundet?

Ein Kind erhielt etwa den Namen Serenity, der dem gleichnamigen Kinofilm entlehnt ist. Zudem gab es einige englische Namen, darunter Kayleigh, Victory, Melody-Hope, Melody-Sunshine oder auch Destiny-Hope. Zudem ein Mädchen, das nun Diamond heißt und eine Juwela. Ebenfalls außergewöhnlich waren: Tilda Mali, Kali und Knox. Auch einen ganz jungen Henner gibt es in Kassel.

Wann gefährdet ein Vorname das Wohl des Kindes

Das ist eine individuelle Entscheidung des Standesbeamten. Es gab etwa mal einen Fall in Kassel, da hatten die Eltern in den Krankenhausformularen den Namen „Schackeline“ eingetragen. „Nach Rücksprache mit den Eltern war klar, dass es sich um einen Schreibfehler handelte und die Eltern ihr Kind Jaqueline nennen wollten“, sagt Müsken. Abgelehnt würden etwa Fälle, in denen Kinder nach Produkten benannt werden. Es gab mal den Fall „Pepsi“. Wenn sich aus Vor- und Nachname eine lustige Kombinationen ergeben sollte, weißt Müsken darauf hin. „Bei einem Kind, dass dann etwa Lange Rede heißt, würde ich die Eltern fragen, ob dies tatsächlich so gewollt sei.“

In welchen Fällen kann man Namen ändern lassen?

Dies ist im Namensänderungsgesetz festgehalten. Dieses Gesetz wurde vor allem für diffamierende Familiennamen geschaffen, ist aber auch für Vornamen gültig. Wichtig ist, dass ein wichtiger Grund vorliegt, der den Namensträger betrifft. In Kassel habe es etwa Lehrer gegeben, die wegen ihrer Nachnamen Hänseleien der Schüler ertragen mussten. Eine Lehrerin habe etwa so geheißen wie eine Sexpraktik, die in dem populären Erotikromanen „Shades of Grey“ beschrieben ist, erzählt Müsken. Da habe eine Änderungsgrund vorgelegen. „Einem Adolf, der etwa viel in Russland geschäftlich zu tun hat, würde ich ebenfalls eine Änderung gestatten“, sagt Müsken.

Welche Nachnamen dürfen kombiniert werden?

!Nach einer Heirat darf nur einer der Partner einen Doppelnamen führen - wobei es egal ist, ob dieser dann Meier-Müller oder Müller-Meier heißt. Bekommen die Eheleute ein Kind, trägt dieses aber nur einen Namen. Dreifachnamen sind nicht möglich. Sprich: Eine Frau Müller-Meier, die sich scheiden lässt und einen Schulze heiratet, darf dann nicht Müller-Meier-Schulze heißen.

Erlaubt ist aber der Namensklau“. Das heißt: Eine Frau Schulze, die einen Graf von Sachsen heiratet, sich als Gräfin von Sachsen scheiden lässt und neu heiratet, darf diesen Adelsnamen (oder jeden anderen Namen ihres Ex-Mannes) nicht nur selbst weiter tragen, sondern auch ihrem neuen Ehepartner übertragen. So kann über Umwege aus einem Schweinebraten ein von Sachsen werden.

Von Bastian Ludwig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.