Schlange im Papierkorb entdeckt: Findel-Reptil hat neues Zuhause

+
Geräumiges Glas-Domizil: Der neue Hausgenosse von Yvonne und Bernd Wendel verträgt sich offenbar gut mit der anderen Kornnatter (hinten unter der Wärmelampe im Terrarium), die bereits seit Januar in der Wohnung in Helleböhn lebt.

Kassel. Familienanschluss und artgerechte Gesellschaft hat die Schlange bekommen, die vor zweieinhalb Wochen noch in einem Papierkorb am Wehlheider Platz gehaust und einen Müllabfuhrtrupp tüchtig erschreckt hatte.

Bei Familie Wendel in Helleböhn teilt sich die Kornnatter mittlerweile ein geräumiges Terrarium mit Artgenosse Sunny, aalt sich zufrieden unter einer Wärmelampe und verspeist ab und an eine tote Maus.

Mit der anderen Schlange versteht sich das orange gefleckte Findel-Reptil offenbar bestens. „Sonst hätte es schon Beißereien gegeben“, sagt Yvonne Wendel, die erst vor ein paar Monaten unter die Schlangenhalter gegangen ist. Ehemann Bernd hatte sie zum Hochzeitstag mit einer Kornnatter samt passendem Terrarium überrascht – „weil mich Schlangen schon als Kind fasziniert haben und ich sie immer gern anfassen wollte“, erzählt die 34-Jährige.

Geschuppter Schlauch wie Pergament: In seinem neuen Quartier hat sich das Findel-Reptil bereits gehäutet.

Als sie gerade mit dem neuen Hobby vertraut geworden war, hörte Bernd Wendel an seinem Arbeitsplatz bei den Stadtreinigern von dem Reptilienfund in Wehlheiden. Bei seinem Kollegen Frank Woermann konnte die Kornnatter – eine ungiftige, aus den USA stammende Schlangenart – auf Dauer nicht unterkommen, deshalb bot Wendel an: „Wenn du niemand anderen findest – zur Not nehmen wir sie auf.“ Nach dem telefonischen Okay von Ehefrau Yvonne war der Umzug perfekt.

Beim Thema Tiere in Mülltonnen fällt Stadtreiniger Wendel noch eine andere Geschichte ein. Erst seit einem Jahr arbeitet er bei der Müllabfuhr und hat in dieser Zeit schon erlebt, wie Kollegen aus einer Abfalltonne einen Käfig mit fünf lebenden Goldhamstern geborgen haben.

Fünf Hamster in der Tonne

Zwei der knopfäugigen Nager kamen bei einem Stadtreiniger unter, auch für die drei anderen Tiere fanden sich Paten. „Wer macht so was bloß“, fragt der 38-Jährige und schüttelt den Kopf.

Lesen Sie auch:

- Schock bei der Arbeit: Stadtreiniger finden Schlange im Papierkorb

Wendels haben ein Herz für Tiere und teilen ihr Zuhause außer den Kornnattern noch mit je zwei Hunden, Katzen, Meerschweinchen und weißen Mäusen, die sich jedoch als fortpflanzungsfaul erweisen und somit als Versorgungsquelle für die beiden Schlangen ausfallen. Die bekommen aufgetaute Tiefkühl-Jungmäuse zu fressen, die man in Zoohandlungen als Reptilienfutter kaufen kann. „Das ist gar nicht so kompliziert, wie ich immer befürchtet hatte“, sagt Yvonne Wendel: Von einer Mäusemahlzeit zehre so eine Natter etwa eine Woche.

Die Adoptiv-Schlange ist so gut im Futter, dass sie sich im neuen Quartier schon gehäutet hat, weil ihr das Schuppenkleid zu eng wurde. Wendels haben den abgeworfenen, pergamentartigen Haut-Schlauch aufgehoben und an den Zollstock angelegt: 1,30 Meter misst die noch namenlose Natter jetzt.

Von Axel Schwarz

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.