Irreführende Werbung

„Natur“-Produkte sind meist Mogelpackungen

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Haben bei Testkäufen in Kassel viele falsche Werbeversprechen gefunden: Eva Raabe (links) und Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen in der Beratungsstelle im Kulturbahnhof.

Kassel. „100 Prozent natürlich“, „Natur pur“ oder „nur natürliche Zutaten“: So oder ähnlich steht es werbewirksam auf immer mehr Lebensmittelpackungen im Supermarktregal.

Die Botschaften, die den Kunden besonders gute, schonend hergestellte Zutaten verheißen, sind aber in den allermeisten Fällen gelogen. Das haben Experten der Verbraucherzentrale Hessen bei Testkäufen in Kassel und Frankfurt festgestellt.

In über 80 Prozent der angeblichen „Natur“-Produkte verbargen sich industriell hergestellte Aromastoffe. Gut jeder dritte Hersteller von Fertigmahlzeiten, Süßigkeiten, Snacks oder Erfrischungsgetränken erwecke gezielt falsche Erwartungen auf schonende Herstellung und natürliche Zutaten.

Die auf der Packung abgebildeten Früchte, Nüsse und sonstigen Zutaten seien aber, wenn überhaupt, nur in winzigen Mengen enthalten. Statt dessen sorgten hauptsächlich Aromen etwa aus Sägespänen, Pilz- oder Bakterienkulturen für die entsprechende Geschmacks-Illusion. Das ist für die Hersteller viel billiger, als wirklich natürliche Zutaten zu verwenden.

Dennoch kann ihnen nach jetziger Rechtslage niemand verwehren, sich durch meist grüne Werbesiegel auf den Packungen ein Natur-Image zu verpassen. Denn ein „natürliches Aroma“ muss im Sinne des Gesetzgebers bloß von einem Rohstoff stammen, der in der Natur vorkommt – aber nicht zwangsläufig aus einem Lebensmittel. „Mit Natur hat das nicht viel zu tun“, kritisierte Lebensmittelexpertin Andrea Schauff bei einem Pressetermin der Verbraucherzentrale Hessen in Kassel.

Die hessischen Verbraucherschützer fordern, dass die Werbung mit „Natur“-Aussagen für aromatisierte und industriell stark verarbeitete Produkte verboten werden soll. Über ihren Bundesverband wollen sie entsprechende Gesetzesinitiativen anstoßen, kündigte Schauff an. Auch die Bezeichnung „natürliche Aromen“ sei für Konsumenten missverständlich und müsse dringend überarbeitet werden.

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