Bienensterben: Auch Schmetterlinge in Gefahr

Ausgesummt: Darum ist das Insektensterben eine große Gefahr für uns

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Erschreckender Rückgang: Museumsleiter Dr. Kai Füldner verweist auf die großen Lücken, die es heute bei den Schmetterlingen gibt.

Kassel. Neben Bienen sind auch andere Insekten in Gefahr. "Das einzige Lebewesen auf dem Feld ist der Bauer", heißt es im Kasseler Naturkundemuseum, das nun in einer Ausstellung aufklärt.

In China ist das Bienensterben schon so weit fortgeschritten, dass Obstbäume von Menschen mit einem Pinsel bestäubt werden. Ganz so schlimm ist es bei uns noch nicht. Doch auch vor unserer Haustür hat das Insektensterben dramatische Formen angenommen. „Es ist höchste Zeit für einen grundlegenden Wandel“, sagt Dr. Kai Füldner, der Leiter des Kasseler Naturkundemuseums. Mit der Ausstellung „Ausgesummt – das Insektensterben und seine Folgen“ will er aufrütteln und Denkanstöße geben. Ab heute kann man die Ausstellung im Ottoneum sehen.

Dabei geht es nicht nur um das Bienensterben, sondern auch um Schmetterlinge und Mücken, die immer weniger werden. Die Alarmsignale seien in den vergangenen Jahren immer deutlicher geworden, sagt Füldner. Seit seiner Kindheit interessiert sich der promovierte Forstwissenschaftler für Schmetterlinge. Deren Gefährdung zeigt eine riesige Schautafel. Auf einer Fußballtor großen Fläche präsentiert sie die Schmetterlinge, die es bei uns früher noch gab. Und daneben auf einer ebenso großen Fläche die Exemplare, die man heute noch findet. Die Lücken sind erschreckend groß.

Das Artensterben wird weiter gehen, wenn wir so weiter machen wie bisher. Diese Botschaft vermittelt die engagierte Ausstellung, die komplett mit Eigenmitteln konzipiert, umgesetzt und finanziert wurde. „Da sind wir im Moment Vorreiter, so eine Ausstellung gibt es bundesweit noch nicht“, sagt Füldner.

Zu wenig Nahrung

Dabei beschäftigt das Thema Bienensterben im Moment alle Medien von der Tageszeitung bis zum Fernsehen. Auch das wird gezeigt. Wie wichtig die besonders gefährdeten Wildbienen sind, macht die Ausstellung ebenso deutlich wie die Abhängigkeiten in den Nahrungsketten. Ohne Mücken finden Vögel, Fledermäuse und Frösche zu wenig Nahrung und sind mittelfristig gefährdet. „Wir geben beim Autobahnbau Millionen für den Schutz bedrohter Arten aus, zerstören aber gleichzeitig die Lebensgrundlage der Tiere flächendeckend“, sagt Füldner.

Ökologische Wüsten

Dabei hat er insbesondere Monokulturen in der Landwirtschaft im Blick. Durch den Einsatz von Pflanzen- und Insektenschutzmitteln (Stichwort Glyphosat) seien viele Felder zu ökologischen Wüsten geworden. Eine aktuelle Untersuchung (Krefelder Studie) belege, dass seit 1990 die Biomasse der Insekten um 75 Prozent zurückgegangen sei. Zur Ausstellung gehört die Windschutzscheibe eines Autos, die diese Entwicklung auf zwei Hälften verdeutlicht. Damals: alles voll mit Mücken und Fliegen. Heute: eine Fliege, ein paar Mücken.

Service

Das Naturkundemuseum Ottoneum, Steinweg 2, ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr (mittwochs bis 20 Uhr, sonntags bis 18 Uhr) geöffnet. Der Eintritt für Erwachsene kostet 4,50 Euro, ermäßigt 3 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt. Die Sonderausstellung Ausgesummt – Das Insektensterben und seine Folgen“ läuft bis zum 14. Oktober.

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