Museum der Herzen: Fünf Gründe für den Erfolg

Bereits über 80.000 Besucher dieses Jahr - Darum ist das Naturkundemuseum Kassel so erfolgreich 

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80 000. Gäste im Naturkundemuseum begrüßt: Museumsleiter Kai Füldner und Kulturdezernentin Susanne Völker (von links) überreichten Carolina und Frank Hohmann ein Geschenk. Sie waren mit ihren Kindern Pauline, Elisa und Marlina (von li.) zu Gast im Naturkundemuseum.

Gemessen an den Besucherzahlen ist das Naturkundemuseum mit der Grimmwelt das erfolgreichste Museum in Kassel. Dies sind die fünf Gründe für den Erfolg:

Das Naturkundemuseum wird von seinem eigenen Erfolg überholt: Als vor einigen Wochen die Museumsmacher einen Pressetermin planten, um den 80.000. Besucher des Jahres zu empfangen, haben sie nicht mit einem solchen Ansturm in den Herbstferien gerechnet. 

Und so wurde gestern mit einer Kasseler Familie zwar offiziell die runde Besucherzahl gefeiert, tatsächlich waren es aber schon mehr als 81.400 Gäste. , wie Museumsleiter Kai Füldner verriet. In Nicht-documenta-Jahren waren es zuletzt immer nur gut 70.000. Nur die Grimmwelt ist in Kassel ähnlich erfolgreich.

Fünf Gründe für den Erfolg des Kasseler Naturkundemuseums: 

  • 1. Weil das Naturkundemuseum mit Herzblut geführt wird: Wer mit Museumsleiter Kai Füldner über die Wunder der Natur spricht, blickt in leuchtende Augen. Der promovierte Forstwirt hat ein Händchen dafür, naturwissenschaftliche Zusammenhänge anschaulich und für fast alle verständlich zu machen. Selbst wenn Füldner mal keine eigene Ausstellung konzipiert, sondern eine Wanderausstellung nutzt, ergänzt er diese immer durch eigene Zugaben. Wobei er ein besonderes Augenmerk darauf legt, die Kulissen so zu gestalten, dass der Besucher das Gefühl hat, in den Lebensraum der Tiere einzutauchen. Dabei kann er auf das Know-how seines Teams zählen.
  • 2. Weil Natur uns alle angeht: Ein Museumsbesuch ist – je nach Bildung und Herkunft – mit einer Hemmschwelle verbunden. Nicht jeder findet einen Zugang zu den Alten Meistern oder der documenta-Kunst. Viele haben das Gefühl, ihnen fehle Hintergrundwissen. Um sich mit Tieren und Pflanzen zu befassen, braucht es kein Vorwissen. Es entspricht unserer natürlichen Neugier, sich mit der Umwelt zu befassen. Dies beobachtet auch Füldner: „Wir erreichen alle Bevölkerungsschichten und Ethnien. Es sind längst nicht nur Familien und Schulklassen. Viele Migranten kommen regelmäßig, aber auch Studenten nutzen die Möglichkeit, das Museum kostenlos zu besuchen.“ 60 Prozent der Gäste sind über 18 Jahre.
  • 3. Weil hier Berühren nicht immer nur verboten ist: Museen sind klassischerweise dadurch gekennzeichnet, dass sündhaft teure Kunstwerke oder historisch bedeutsame Gegenstände hinter Glasvitrinen zu sehen oder durch Lichtschranken vor Kinderhänden geschützt sind. Im Naturkundemuseum ist das anders. Nicht nur Kinder dürfen hier mit den Händen die Ausstellungen entdecken: Egal ob mit Schautafeln, Touchscreens oder lebensgroßen Nachbildungen. Und was der Mensch berührt, das versteht er mitunter besser. Das heißt aber nicht, dass im Naturkundemuseum alles angefasst werden darf. „Wir sind ja kein Spielplatz“, sagt Füldner.
  • 4. Weil es hier immer was Neues zu entdecken gibt: Dafür sorgen die halbjährlich wechselnden Sonderausstellungen. Sie machen zwar nur ein gutes Viertel der Ausstellungsfläche aus, sorgen aber für Abwechslung. In der nächsten Sonderausstellung wird es um aussterbende Arten gehen.
  • 5. Weil sich das Naturkundemuseum einen guten Ruf erarbeitet hat: Das Museum lebt von Wiederholungstätern. Aus Befragungen wissen die Museumsmacher, dass viele Gäste mehrfach im Jahr kommen. Und so werden längst nicht nur Kasseler angelockt. Nur 40 Prozent der Gäste kommen aus der Stadt. Ein Viertel kommt sogar weder aus Stadt noch Kreis Kassel. „Das Naturkundemuseum ist ein fester Anlaufpunkt geworden. Da ist es fast egal, welche Ausstellung zu sehen ist“, sagt Museumsleiter Füldner.

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