Trockenheit nimmt zu 

Naturschützer kritisieren Pflanzung von Baum-Exoten in Kassel

Der Blauglockenbaum zeigt im April seine Blütenpracht.

Kassel. Der Klimawandel verändert zunehmend die Baumlandschaft im Kasseler Stadtgebiet. Heimische Arten werden stetig von exotischen Bäumen verdrängt. Doch Naturschützer sehen das Pflanzen von fremden Baumarten kritisch.

Das Garten- und Grünflächenamt will alleine in diesem Jahr insgesamt 200 neue Bäume entlang von Straßen und in Parks pflanzen, etwa 60 davon sind nicht heimisch – sie stammen aus China, Korea, Australien, Amerika und anderen Ländern. Viele fallen durch ungewöhnliche Blühfarben oder Blühzeitpunkte auf.

„Tatsächlich wird der Anteil traditioneller Baumarten stetig geringer“, sagt Volker Lange vom Umwelt- und Gartenamt. Linden, Kastanien, Ahorne, Eschen und Eichen seien den Stressbelastungen im Innenstadtbereich immer weniger gewachsen. Vor allem steigende Temperaturen und ausbleibende Niederschläge im Winter wie im Sommer seien das Problem. Hinzu kämen beengte Lebensbedingungen vor allem in schmalen Straßenschluchten sowie ein oft sehr stark verdichteter Boden in eng bebauten Gebieten. Folge: Die Bäume entwickelten sich schlecht, würden anfällig für Krankheiten und Schädlinge und vegetierten oft über viele Jahre dahin. „Damit erhöht sich letztlich der Pflege- und Kostenaufwand“, sagt Lange.

Im Gegensatz dazu seien nicht heimische Arten diesen Belastungen deutlich besser gewappnet. „Wir wollen keine Bäume pflanzen, die nach 30 Jahren wieder gefällt werden müssen, weil sie es nicht schaffen“, sagt Regula-Marie Ohlmeier, Leiterin des Garten- und Grünflächenamtes.

Naturschützer sehen das Pflanzen von fremden Baumarten kritisch. Mark Harthun, Naturschutzreferent beim Nabu Hessen: „Jeder gepflanzte fremde Baum führt zu einem Rückgang der Artenvielfalt in den Städten, weil er in der Nahrungskette für Insekten und Vögel keinen Wert mehr hat.“ Lange betont, dass lediglich Extremstandorte für die Pflanzung von neuen Arten ausgewählt würden. (bon)

Einen Kommentar sowie weitere Hintergründe zu den Pflanzungen lesen Sie in der HNA-Montagsausgabe.

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