Internationale Ausstellung in Kassel gestartet: Ein Drittel der Händler bietet Nazi-Stücke an

Nazi-Kult auf Kasseler Waffenbörse

Kassel. Hakenkreuzfahnen, Adolf Hitler als Konterfei, eine SS-Familienchronik: In den Vitrinen auf der Internationalen Waffenbörse, die am Donnerstag in den Kasseler Messehallen gestartet ist, findet sich so manches Relikt aus der Nazi-Zeit.

Etwa ein Drittel der insgesamt 270 Stände bietet diese NS-Devotionalien an. Auf den restlichen Flächen bieten Händler ihre Waffen und Munition für Kunden aus aller Welt an.

Veranstalter Wolf Krey kann an den Angeboten auf seiner Ausstellung nichts verwerfliches finden: „Das ist eine ganz normale Waffenbörse für Jäger, Sportschützen und Sammler.“ Diese sind auch ohne Frage auf der Messe zu finden - aber nicht nur die.

Wer eine Waffe erwerben möchte, braucht eine Waffenbesitzkarte. „Alle hier ausgestellten Schusswaffen müssen, etwa mit einer Kette, gesichert sein“, sagt Hartmut Bierwirth vom Ordnungsamt, der die Stände überprüft. Am Ausgang wird jeder Besucher mit einem Metalldetektor durchsucht. Wer Waffe oder Munition gekauft hat, muss auch hier nochmal seine Waffenbesitzkarte vorzeigen.

Wenig erfreut ist Bierwirth über die mehrmals täglich auf der Waffenbörse angebotenen Vorträge zur roten Waffenbesitzkarte für Sammler. Dort werde den Besuchern erklärt, wie sie angeblich auf einfachem Weg an eine solche Besitzkarte gelangten. Um eine rote Karte zu bekommen, müssen die Antragsteller ein kulturhistorisches Interesse gegenüber dem Ordnungsamt nachweisen.

Nicht zuständig ist das Ordnungsamt für die Kontrolle der Stände mit den Nazi-Devotionalien. „Darum kümmern sich Polizei und Staatsschutz, die verdeckt auf der Messe unterwegs sind“, sagt Bierwirth. Weil das öffentliche Zeigen verfassungsfeindlicher Symbole wie dem Hakenkreuz und der SS-Rune strafbar ist, haben die Händler in den Messehallen diese auf Uniformen, Orden und Fahnen abgeklebt. Im heimischen Wohnzimmer dürfen die Kunden die Aufkleber dann abnehmen.

Waffenbörse in den Kasseler Messehallen

Hinter den blank geputzten Vitrinen ist so ziemlich alles zu finden, was die NS-Ideologie an Symbolik hervorgebracht hat: Angefangen von der einfachen Hakenkreuz-Armbinde für 38 Euro über das Ritterkreuz für 350 Euro, bis zur kompletten SS-Uniform für 2000 Euro.

Ebenso zu finden sind Originalausgaben von „Mein Kampf“, Schilder mit dem Aufdruck „Arisches Geschäft“, SS-Ehrenringe und sogar eine Original-Urkunde für „Reichsminister Dr. Goebbels“ zu dessen 37. Geburtstag.

Die Händler selbst halten ihr Geschäft für seriös. Auf Nachfrage sagt einer, dass er seine historischen Waffen und Orden für historisch interessierte Sammler anbiete. Ein Blick ins Publikum, dass sich vor den Nazi-Relikten tummelt, verrät, dass längst nicht jeder ein rein historisches Interesse hat: Ein Mann trägt ein vergoldetes Ritterkreuz um den Hals, zwei andere Gestalten verabschieden sich mit den Worten: „Kriech heil!“

Von Bastian Ludwig

Rubriklistenbild: © HNA

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