Nazi-Morde: Kasseler erinnerten an Halit Yozgat und die anderen Opfer

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Stilles Gedenken: Vor dem Eingang in der Holländischen Straße 82 legten gestern Vertreter der Stadt gelbe Rosen nieder. Mit einer Schweigeminute gedachten die Anwesenden, darunter auch einige Anwohner, des ermordeten Halit Yozgat.

Kassel. Ismail Yozgat hat drei Wünsche. Der Vater des 2006 von Rechtsextremisten in Kassel ermordeten Halit Yozgat sprach bei der Gedenkfeier für die Neonazi-Opfer in Berlin.

Er wünsche sich vor allem, dass die Mörder und ihre Hintermänner gefasst werden, sagte der 56-Jährige, der mit seiner Frau Ayse (53) nach Berlin gereist war. Der zweite Wunsch: Die Holländische Straße, an der sein Sohn vor sechs Jahren erschossen wurde, möge in Halit-Straße umbenannt werden.

Als dritten Wunsch äußerte der Türke aus Kassel, dass im Gedenken der zehn Neonazi-Opfer ein Preis ausgelobt und eine Stiftung gegründet werde.

Die Stadt Kassel könne den Wunsch der Eltern, einen Ort in unserer Stadt dem Andenken ihres Sohnes Halit Yozgat zu widmen, gut nachvollziehen, teilte Bürgermeister Jürgen Kaiser gestern mit. „Eine Entscheidung, wie dieser Ort aussehen kann und wo er sein wird, muss auf einer breiten gesellschaftlichen Basis beruhen“, sagte der Bürgermeister.

„Gemeinsam mit allen Beteiligten, dem Ortsbeirat Nord-Holland, den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung und weiteren gesellschaftlichen Gruppen werden wir besprechen, welche angemessenen Möglichkeiten bestehen“, sagte Kaiser.

Dass die Menschen in Kassel die Erinnerung an Halit Yozgat wachhalten wollen, wurde bei einer parallelen Gedenkfeier in Kassel deutlich: Vertreter der Stadt, darunter Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich und Stadträtin Brigitte Bergholter, Polizeipräsident Eckhard Sauer und die Ausländerbeiratsvorsitzenden Kamil Saygin und Pasquale Malva, gedachten der Opfer der Mordserie um 12 Uhr an der Holländischen Straße 82 mit einer Schweigeminute und legten Blumen nieder. Auf Reden verzichtete man an diesem Vormittag. Das Schweigen, sagte Petra Friedrich, sei eine Geste, die von jedem verstanden werde. Die Holländische Straße war in diesem Bereich während der Schweigeminute für die Autofahrer gesperrt, auch Bahnen und Busse standen still.

Einen Antrag auf Umbenennung der Holländischen Straße hat bereits der Ausländerbeirat der Stadt Kassel gestellt, sagte gestern der stellvertretende Beiratsvorsitzende Pasquale Malva: „Eine Umbenennung der Holländischen Straße wäre auch unser Wunsch, um die Erinnerung an das Geschehen wachzuhalten.“ (rud/ppu)

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