Am 7. März 1933 kam es an der Spohrstraße zu Ausschreitungen – DGB erinnert an Ereignisse vor 80 Jahren

Nazi-Sturm auf Gewerkschaftshaus

Gestürmt und verwüstet: So sah das Haus des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes an der Spohrstraße vor dem Krieg aus. Foto: Archiv des DGB

Kassel. Sie schlugen die Türen ein, zertrümmerten das Mobiliar und warfen Akten auf die Straße. Am 7. März 1933 stürmte eine große Gruppe Kasseler Nationalsozialisten das Gewerkschaftshaus an der Spohrstraße.

Ganz vorn mit dabei war der Stadtverordnete und spätere Präsident des berüchtigten Volksgerichtshofs, Roland Freisler. Die Polizei beobachtete alles, griff aber nicht ein.

Im Marburger Staatsarchiv wird der Polizeibericht von damals aufbewahrt. In dem heißt es unter anderem: „Dr. Freisler hielt von dem Balkon des Hauses eine Ansprache, in der er ausführte, dass die NSDAP von dem Gebäude symbolisch Besitz ergriffen habe ... Auch wurde auf dem Gewerkschaftshaus die Hakenkreuzfahne gehisst.“ Vom Gewerkschaftshaus zogen die Nationalsozialisten in die Altstadt, wo sie auf dem Martinsplatz die erbeuteten Gewerkschaftsfahnen verbrannten. Das war eine gezielte Demütigung und Provokation der politischen Gegner.

In das Lokal Bürgersäle am Karlsplatz, einer NS-Hochburg, wurden Gewerkschaftsfunktionäre verschleppt und dort schwer misshandelt. Die Brutalität und die demonstrative Zuschaustellung des braunen Terrors sollte überall Angst und Schrecken verbreiten.

Der Sturm des Gewerkschaftshauses war erst der Anfang. Am 2. Mai 1933 wurden die Gewerkschaften aufgelöst, ihre Häuser besetzt und das Vermögen beschlagnahmt.

An die Ereignisse vor 80 Jahren erinnert der DGB heute mit einer Veranstaltung zum Widerstand von Frauen im NS-Regime. „Heldinnen des Alltags“, ist der Titel eines Vortrags von Dr. Angela Pitzschke (Archiv der deutschen Frauenbewegung). Um 19 Uhr eröffnet der Vorsitzende der DGB- Region Nordhessen, Michael Rudolph, die Gedenkveranstaltung.

Gedenkveranstaltung heute, 19 Uhr, DGB-Haus, Spohrstraße 6-8.

Von Thomas Siemon

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