Kunsthistoriker sieht in Wandbild Kunstwerk, das Geist der Zeit widerspiegelt

Magazinhof Niederzwehren: Nazi-Symbolik sorgt für Unmut

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Symbolik für Nazi-Ideologie: Das Wandbild am Silo II des Magazinhofs ist zum Teil sichtbar.

Niederzwehren. Der Gedanke, dass das Wandbild aus Kratzputz (Sgraffito) am Silo II des Magazinhofs in Niederzwehren im Zuge des Denkmalschutzes mit Steuergeldern erhalten werden soll, stößt offenbar bei vielen Bürgern wie auch beim Ortsbeirat auf Unmut.

„Das Bild ist eindeutig ein Symbol für die Blut-und-Boden-Ideologie der Nationalsozialisten“, sagt Ortsvorsteher Harald Böttger (SPD). Mehr als 30 Anrufe hat er von Bürgern zum Gebäudekomplex und dem Bild erhalten seit bekannt wurde, dass das ehemalige Getreidelager der Wehrmacht unter Denkmalschutz steht (wir berichteten). Das Bild stellt einen Erntezyklus dar und zeigt einen Bauern, der eine Keule wie zur Abwehr eines Feindes schwingt.

Für den freiberuflichen Kunsthistoriker Dr. Thomas Wiegand, der für das Landesamt für Denkmapflege eine Denkmal-Topografie für Kassel erstellt, ist das Bild „ein Kunstwerk, das den Geist der Zeit widerspiegelt“. Das Ensemble sei das einzige seiner Art in Hessen. Wiegand riet zu einem sachlichen Umgang mit der Thematik. „Wir hätten niemals gedacht, dass der Magazinhof unter Denkmalschutz gestellt wird“, sagte Gerhard Rinder (CDU).

Als Kulturdenkmal eingestuft ist der Magazinhof seit über zehn Jahren. Das bestätigte Dr. Dieter Griesbach-Maisant, Oberkonservator des Landesamts für Denkmalpflege in Wiesbaden.

Bereits 2001 hatte Wiegand nach eigenen Angaben zu dem Objekt recherchiert und es fotografiert, weil es ursprünglich für das Denkmal-Topografie „Kassel III“ vorgesehen gewesen sei, jetzt aber im vierten Buch erscheinen wird. In dem Buch sind Kulturdenkmäler nach Gemarkungen verzeichnet.

Mindestens seit 2001 also steht das Ensemble auf der vorläufigen Denkmalschutz-Liste, die die Grundlage für die Denkmal-Topografie bildet. Das wusste jedoch kaum jemand. Anlass für die Prüfung und für die Erklärung des Magazinhofs zum Kulturdenkmal war erst ein Antrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Eigentümerin des Magazinhofs, die zwei Brandruinen auf dem Gelände abreißen wollte. Die Einstufung des Ensembles als Kulturdenkmal habe bei der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt bekannt sein müssen, sagte Griesbach-Maisant. Der Ortsbeirat befürchtet, dass durch den Denkmalschutz, vor allem aber durch das Sgraffito, die Vermarktung des Komplexes erschwert wird. Die Gebäude dürfen nicht abgerissen werden. Das Gremium fordert in seinem Beschluss Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) auf, bei der BImA auf eine schnelle Lösung zu drängen. Ebenso fordert der Ortsbeirat eine klare Positionierung der Stadt.

Laut Heinz Spangenberg, Leiter der Abteilung Denkmalschutz bei der Stadt Kassel, arbeitet die bereits gemeinsam mit der BImA an einem Nutzungskonzept für den Magazinhof. (mkx) DAS SAGT

Von Mirko Konrad

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