12 000 Besucher erwartet – Debatte um NS-Relikte

Waffenbörse in Messehallen: Nazi-Zeichen sind verdeckt

Sammler auf der Suche: Friedrich Wietelmann (links) hat es auf historische Sportabzeichen abgesehen. Aber auch die Abzeichen von Marinevereinen aus den 1920er-Jahren, die ihm Peter Groch an seinem Stand auf der Waffenbörse zeigt, sind einen Blick wert. Fotos: Rudolph

Kassel. Die Autos auf dem Parkplatz vor den Messehallen kommen aus ganz Deutschland und aus Estland, England, Österreich. Die Waffenbörse, die seit Freitag läuft, strahlt weit aus. 130 Aussteller bieten drinnen ihre Ware an: Waffen vom Säbel bis zur Pistole, militärische Sammlerstücke, Fachliteratur.

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12.000 Besucher erwartet Veranstalter Wolf Frey bis Sonntag. Fast ausschließlich Männer waren am Freitag in der großen Eingangshalle unterwegs. Am Kassenhäuschen hängen auffällige gelbe Plakate: „Kein Ort für Nazis“. Aber ein Ort für historische Abzeichen, Orden und Uniformen aus der Nazi-Zeit. Wer sich genauer umsieht, entdeckt an vielen Ständen kleine Aufkleber auf den angebotenen Waren. Darunter verbergen sich Hakenkreuze. Der Verkauf von NS-Relikten ist erlaubt, solange die verfassungsfeindlichen Symbole nicht öffentlich zu sehen sind.

„Sammler und Verrückte“

Nachdem die HNA bei der Waffenbörse im vergangenen November groß über das Thema berichtet hatte, reagiert ein Händler gereizt auf die Frage, wie groß das Interesse an den Orden aus der NS-Zeit sei: „Ich finde das so was von beschissen, was Sie schreiben. Sie haben doch keine Ahnung. Als würden hier nur Neonazis rumlaufen.“

Peter Groch, der an seinem Stand viele kleine Abzeichen aus Sport und Militär anbietet, ist freundlicher. Er berät gerade Friedrich Wietelmann aus dem Kreis Diepholz, der seit 30 Jahren Sportabzeichen sammelt. „In dem Bereich gab es nur selten Hakenkreuze auf den Abzeichen“, sagt der Sammler. „Aber wenn eins drauf ist, nehm ich’s mit, und es kommt in die Sammlung.“

Die NS-Artikel seien ein Stück Zeitgeschichte, sagt Händler Groch. Wer zu einem bestimmten Thema sammele, werde die Zeit des Dritten Reichs nicht aussparen. Auch er hat einige Kriegs- und Kampfabzeichen aus dem Zweiten Weltkrieg im Angebot. Darüber müsse ja nicht so viel in der Zeitung stehen. „Ich will den Schrott vor allem loswerden“, sagt der Berliner.

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Waffenbörse in den Kasseler Messehallen

„Es gibt schon ein paar Verrückte, die sammeln das gezielt“, weiß Groch. Vor allem Russen würden derzeit Geld dafür ausgeben. „Früher sind hauptsächlich Amerikaner und Engländer darauf abgefahren.“

Anders Filipsson aus Schweden bietet historische Säbel und Schwerter an. Er kann die Debatte um den Verkauf von NS-Relikten auf der Waffenbörse nachvollziehen. Er finde es gut, dass die Symbole in Deutschland verdeckt werden müssen.

Das sei in Schweden nicht so. Grundsätzlich findet er den Verkauf von Sammlerstücken aus der Zeit des Dritten Reichs in Ordnung. „Man kann ein Stück Geschichte nicht einfach auslöschen.“ Aber wenn Händler gezielt große Fahnen oder Uniformen plakativ ausstellten, sei das nicht okay. „Es sollte eine Sammlermesse sein und nicht eine für Adolf-Hitler-Fans.“

Die Waffenbörse in den Messehallen läuft noch bis Sonntag. Sa. 10 - 18 Uhr, So. 10 - 16 Uhr. Eintritt: 12 Euro.

Von Katja Rudolph

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