Architekt Albert Speer wollte Glockenmal

Nazis: Herkules sollte weg - Architekt Albert Speer wollte Glockenmal

Größenwahn: Nach den Plänen der Nationalsozialisten (hier von 1944) sollte Kassel ein neues Gesicht bekommen, neben einem sogenannten Gauforum sollte der Herkules durch ein „Glockenmal“ ersetzt werden. Die bisher kaum bekannte Abbildung ist dem Buch „Kassel in der Moderne“ entnommen.

Kassel. Die Abbildung wurde bisher nicht veröffentlicht: Die Zeichnung zeigt auf dem Rammelsberg, nördlich der Wilhelmshöher Allee, eine wuchtige Großanlage im protzigen Stil der Nazi-Architektur. Nach dem Plan sollten 100.000 Menschen in einem „Forum“ und 10.000 in einer Rundhalle Platz finden.

Der Gipfel des Größenwahns: Architekt Albert Speer wollte den Herkules durch ein neues Monument, ein sogenanntes Glockenmal, ersetzen.

In Plänen wie diesen vom „Gauforum Kurhessen“ aus dem Jahr 1944 nehmen die Ideen der Nationalsozialisten von der „totalen Stadt“ konkrete Formen an. Auch Kassel war im Programm einer „Neugestaltung deutscher Städte“.

Nachzulesen ist das Thema „Gauhauptstadt und großer Plan“ in dem neuen Buch „Kassel in der Moderne“, das die Kasseler Professoren Dr. Jens Flemming und Dr. Dietfrid Krause-Vilmar herausgegeben haben. Das Kapitel „Die Stadt und das politische Leben im 20. Jahrhundert“ ist nur ein Aspekt in der prall gefüllten Publikation, die Kassel von einer bisher nur wenig bekannten Seite zeigt. Pünktlich zum Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten ist das gewichtige, 800 Seiten starke Buch zur Stadtgeschichte erschienen. Bewusst wollen sich die Herausgeber Flemming und Krause-Vilmar mit dem Buch von anderen Publikationen anlässlich 1100 Jahre Kassel abheben. „Die Geschichte der Stadt im Mittelalter und als Sitz der hessischen Landgrafen ist gut erforscht“, sagen sie.

Jens Flemming / Dietfrid Krause-Vilmar (Hrsg.): Kassel in der Moderne, Studien und Forschungen zur Stadtgeschichte, 832 S., 29,90 Euro, Schüren Verlag Marburg, ISBN 978-3-89472-906-6.

Im Gegensatz dazu sei Kassels Weg in die Moderne von der Residenz- zur Bürgerstadt, von der Beamten- zur Industriestadtstadt, nur wenig bekannt. Hier haben die 33 Kasseler Autoren Pionierarbeit geleistet. Vorausgegangen seien intensive Recherchen, sagen die Herausgeber.

Die Kapitel befassen sich unter anderem mit der Stadt im Aufstieg (1866 – 1914), mit Kassels Bürgern, Infrastruktur und Wirtschaft. Die Autoren nehmen das politische Leben im 20. Jahrhundert in den Blick, die Kirchen, die Kultur und die Archive. Die Chronik umfasst die Spanne von 1800 bis 2000. Es gehe in dem Buch um das „Wechselspiel von Kräften“ des Wandels und Beharren, um Integration und Desintegration, um Tradition und Traditionsbruch.

Von Christina Hein

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