Neues Buch offenbart Hitlers Pläne

Nazis wollten Kasseler Herkules für riesige Säule opfern

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Pläne der Nazis: Die Pyramide des Herkules sollte für diese gigantische, 100 Meter hohe Säule weichen.

Kassel. In der Geschichte Kassels hat es viele Pläne gegeben, der Stadt durch gigantische Bauprojekte Weltbedeutung zu verleihen. So wollten die Nationalsozialisten das weltgrößte Glockenbauwerk am Habichtswald errichten und den Herkules durch eine germanische Megasäule ersetzen.

Aber auch in den 1920er-Jahren gab es bereits große Visionen: So sollte Kassel in ein weltweites Schwebebahnnetz eingebunden werden, das bis nach Kapstadt und Tokio reichen sollte.

In dem neuen Buch „Große Pläne für Kassel 1919 - 1949“ (38 Euro, 272 Seiten, Schüren Verlag) von Autor Dr. Folckert Lüken-Isberner sind diese und viele weitere Projekte beschrieben. Ihnen gemein ist der Größenwahn der Urheber.

So hatte der Kasseler Architekt Fritz Stück, der die Nazis später beim Autobahnbau beriet, bereits während der Weimarer Republik das „Groß-Kassel der Zukunft“ entworfen. Er konzipierte transkontinentale Autobahnlinien, die mit einer Schwebebahntrasse überbaut werden sollten. Kassel hätte ein zentraler Knotenpunkt des weltweiten Verkehrsnetzes werden sollen.

Bei den Planungen zum Bau der Autobahn Hamburg-Basel forderte Stück diese in Kassel mit einer Brücke über die Wilhelmshöher Allee zu führen, damit die Touristen beim Anblick des Schlosses zum Verweilen eingeladen würden. Diese Variante wäre sogar beinahe umgesetzt worden.

Ebenfalls hatten die NS-Planer für den Habichtswald den Bau des weltweit größten Glockenbauwerks vorgesehen.

Als die Nazis an die Macht kamen und Kassel Gauhauptstadt wurde, drohten weitere Großvorhaben. So wurde ab 1938 an einem gigantischen Gauhaus gearbeitet, das auf dem Weinberg entstehen sollte. Für den Rammelsberg wurde mit dem Gauforum Kurhessen eine Anlage für NS-Veranstaltungen für bis zu 110.000 Menschen entworfen. Für die Herkulespyramide samt Figur, die für die Megasäule weichen sollte, war ein neuer Platz angedacht. Die NS-Planer wollten sie zwischen der Torwache an der Wilhelmshöher Allee aufbauen. 

Das Buch „Große Pläne für Kassel 1919 - 1949“ ist im Marburger Schüren Verlag erschienen. Autor ist Stadt- und Regionalplaner Dr. Folckert Lüken-Isberner. Preis: 38 Euro, 272 Seiten, ISBN 978-3-89472-297-5

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