Zu Gast in Göttingen: Prof. Pääbo forscht über den Ursprung des Menschen

Der Neandertaler in uns

Blick in die Vergangenheit: Prof. Dr. Svante Pääbo mit dem rekonstruierten Schädel eines Neandertalers.

Göttingen. „Wir sind nicht sehr unterschiedlich zum Neandertaler“, fasst Prof. Svante Pääbo seine Erkenntnisse über das Erbgut des modernen Menschen und unserer vor 30 000 Jahren verschwundenen Verwandten zusammen.

Der Paläogenetiker aus Leipzig, der im Frühjahr durch die Entschlüsselung des Neandertaler-Genoms für Aufsehen sorgte, hielt vor mehr als 400 Zuhörern die Göttinger Universitätsrede 2010.

Noch vor wenigen Jahren habe man es für unmöglich gehalten, das ganze Genom des Neandertalers zu entschlüsseln, sagte Pääbo, der am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig arbeitet. Doch durch das Fortschreiten der Technik und zunehmende Rechnerkapazitäten wurde die Bearbeitung großer Datenmengen möglich.

Inzwischen hat das internationale Team von Wissenschaftlern um Prof. Pääbo eine Milliarde DNA-Fragmente aus Neandertalerknochen aus Kroatien, Spanien, Russland und dem Neandertal in Deutschland analysiert.

Beim anschließenden Vergleich mit dem Erbgut des modernen Menschen offenbarten sich Gemeinsamkeiten. „Ein bis vier Prozent Neandertaler-Gene sind in uns.“ Der aus Afrika stammende moderne Mensch müsse in Europa den Neandertaler getroffen und sich mit ihm gemischt haben habe, folgerte Pääbo. Das muss nach Ansicht der Forscher vor 50 000 bis 100 000 Jahren geschehen sein.

Gen für Sprachvermögen

Bei der weiteren Arbeit gilt das Interesse der Wissenschaftlern nun Genbereichen, die den Menschen vom Neandertaler unterscheiden und ihm womöglich im Laufe der Evolution Vorteile gebracht haben. Prof. Pääbo: „Zu analysieren, was wir nicht teilen, ist wissenschaftlich besonders interessant.“ Denn den modernen Menschen kennzeichnen neue Verhaltensweisen und Fähigkeiten, wie die Entwicklung von Technik und Kunst. Und der moderne Mensch habe in kurzer Zeit alle Teile der Welt besiedelt, so Pääbo. Als Beispiel bereits begonnener Arbeiten nannte er die Untersuchung des Gens FoxP2. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieses Gen für die Sprachproduktion maßgeblich ist und interessieren sich in diesem Zusammenhang für die Unterschiede zwischen Mensch, Neandertaler und Schimpanse.

Das nächste Arbeitsfeld hat der Paläogenetiker aus Leipzig bereits im Blick. „Wir wollen andere ausgestorbene Menschenformen untersuchen, die mit dem Neandertaler und dem modernen Menschen verwandt sind.“

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