Stromabrechnung wirft Fragen auf: Hier gibt es Antworten

Kassel. „Ihr Guthaben wird Ihnen auf Ihr Konto überwiesen“, steht im Schreiben der Städtischen Werke, das mir jetzt ins Haus flatterte. Das klingt ja erfreulich. Vor dem Bruttobetrag des vermeintlichen Guthabens von 218,71 Euro steht aber ein dickes Minus. Ist von einem Soll oder von einem Haben die Rede?

Hintergrund für den als „Rechnungskorrektur“ überschriebenen Brief ist ein Wechsel zum Tarif „Kassel - einfach günstig“ vor einem Jahr. Zudem wurde kürzlich der Stromzähler abgelesen.

Das Schreiben löst bei mir Unverständnis und Rätselraten aus. Auch ein intensives Studium der vier mit vielen Zahlen und Informationen bedruckten Seiten bringt keine Erleuchtung. „Bitte beachten Sie beiliegende Kontoinformation: Ihr Guthaben wird mit offenen Forderungen verrechnet“, heißt es zu Beginn. Eventuelle Forderungen sind allerdings nicht benannt. Auch die „Abrechnungsmenge“ 1000,00 kWh (Kilowattstunde) löst mehr Fragen aus, als dass sie erhellt.

Ingo Pijanka

Auf Seite zwei der beigefügten „Kontostandinformation“ wird das Saldo-Guthaben mit 1988,71 Euro beziffert und die Saldo-Forderung mit 1770,00 Euro. Das liest sich nun doch so, als sei das Guthaben höher als die Forderung. Als „Offener Betrag“ wird aber wieder das „Gesamtguthaben“ von - (in Worten minus) 218,71 Euro angegeben. Dieser Betrag wird an anderer Stelle als „Guthaben Manuelle Abrechnung“ bezeichnet. Was bedeutet das jetzt wieder?

Des Rätsels Lösung: „Es handelt sich um ein Guthaben und wird auf Ihr Konto überwiesen“, sagt Ingo Pijanka, der Sprecher der Städtischen Werke. „Eine negative Rechnung ist eine Gutschrift.“ Sonst müsste der offene Betrag ja an die Werke gezahlt werden.

Das Problem seien per Computer und mithilfe von Textbausteinen verfasste Schreiben des Software-Lieferanten. „Wir haben 100 000 Stromkunden in Kassel, von denen sich viele in individuellen Situationen befinden. Dafür gibt es Hunderte von Textbausteinen, die zusammengesetzt werden“, sagt Pijanka: Die Schreiben werden automatisch hergestellt und von keinem mehr gelesen. „Wollten wir das leisten, müsste jedes Schreiben mit 15 Euro berechnet werden.“ Warum der Brief mit der verwirrenden Bezeichnung „Korrektur“ überschrieben ist, kann sich Pijanka auch nicht erklären. Allerdings, so räumt er ein: „An den Formulierungen der Textbausteine müssen wir arbeiten, damit sie verständlicher werden.“ Die Städtischen Werke würden auch lieber einfache Rechnungen schreiben, aber es gebe gesetzliche Vorgabe. „Das nennt sich Produkttransparenz.“ Beispielsweise sei vorgeschrieben, dass die Zusammensetzung der Energieträger und sämtliche Steuern angegeben sind. Archivfoto: Fischer

Von Christina Hein

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