Ciu Kegang reiste 2007 als einer der 1001 Chinesen nach Kassel - Nun kam er zurück

Man nennt ihn Mr. Korn

Kassel. „Bitte nennen Sie mich Korn“, sagt Ciu Kegang auf Englisch und strahlt. Sein Vorname, der erst nach dem Familiennamen genannt wird, klingt auch so, wenn er ihn ausspricht und beiden Silben dabei zusammenzieht.

Hunderte von E-Mails

2007 haben sich Dr. Peter Hallberg und Ciu Kegang im Café Nordpol in der Nordstadt kennengelernt, jetzt haben sie sich dort wiedergesehen. Als einer der 1001 Chinesen, die der Künstler Ai Weiwei zur documenta 12 nach Kassel holte, war Korn in der Nähe untergebracht und stand bereits kurz vor der Abreise.

Als er heimlich ein Foto von den Gästen am Nebentisch machen wollte, weil ihm der Umgang des Freundeskreises miteinander gefiel, wurde er ertappt. Peter Hallberg bat den 26-Jährigen, ihm das Foto doch per Internet zukommen zu lassen. „Hunderte E-Mails auf Englisch folgten in den vier Jahren“, berichtet der Niederkaufunger, der beim Schulamt in Kassel arbeitet und in seiner Freizeit gern malt. Seine Werke stellt Pitto, wie sich Hallberg als Künstler nennt, im Café Nordpol aus. „Ich wollte wissen, was diesen jungen Chinesen interessiert. Er hatte etwa 2000 Fotos gemacht“, sagt der 61-Jährige.

Ausstellung „Welten“

Aus den Bildern, die Korn schickte, hat er mit ihm die Ausstellung „Welten“ erarbeitet, die bereits fünfmal in Kassel gezeigt wurde. Ausgewählte Fotos sind im Internet unter www.pitto.de/page2.php zu finden. Die beiden Künstler kombinierten beispielsweise die Enge einer Unterführung in Kassel mit einem grandiosen Blick aus dem Flugzeug.

Über den chinesischen Glücksbringer, den ihm Korn aus Tianjin mitgebracht hat, freut sich Peter Hallberg besonders. „Er hat ihn im Rucksack durch halb Europa geschleppt“, sagt er. In Paris, Cannes, Rom, Florenz und Venedig ist Korn bereits gewesen. Er hat einige Monate dafür hart gearbeitet, um sich die Reise leisten zu können.

Über die Inhaftierung des Künstlers Ai Weiwei sei er sehr bestürzt gewesen, erinnert sich Peter Hallberg. Nein, er mache sich keine Sorgen, sagt Korn auf Nachfrage. Ai Weiwei sei wieder frei, es gehe ihm gut. Der Künstler sei in China beliebt und durch das Internet sehr bekannt. Er selbst habe ihn aber nur das eine Mal in Kassel getroffen.

Im nächsten Jahr würde Ciu Kegang gern mit seinem Professor zur documenta 13 kommen. Mittels einer alten chinesischen Technik möchte er unter Einbeziehung eines Publikums Abdrücke von der Rinde der Bäume machen, die der Künstler Joseph Beuys 1982 zur documenta 7 pflanzen ließ. Dass ihn viele Menschen nicht einfach nur Korn, sondern inzwischen Mr. Korn nennen, freue ihn als Künstler sehr, verrät Ciu Kegang noch mit einem Lächeln.

Kontakt: www.pitto.de

Von Bettina Wienecke

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