Christian Worch ist das Gesicht der Partei "Die Rechte"

Das ist der Neonazi, der die Rechtsextremen in Kassel aufmarschieren lässt

+
Marschiert immer an vorderster Front mit: Rechtsextremist Christian Worch 2008 bei einer NPD-Veranstaltung in Lübeck.

Christian Worch hat den Holocaust geleugnet, heute ist der Neonazi das Gesicht der Partei Die Rechte. Am Samstag lässt er Rechtsextreme in Kassel aufmarschieren.

Am Dienstagabend plauderte der Neonazi Christian Worch gemütlich mit seinem Nachbarn in Parchim in Mecklenburg-Vorpommern und trank Wein. So erzählt es der 63-Jährige, der Grund hatte, gut gelaunt zu sein. Gerade hatte das Verwaltungsgericht Kassel das von der Stadt ausgesprochene Verbot der Demonstration von Worchs Partei „Die Rechte“ aufgehoben.

Der Rechtsstreit wird wohl noch bis Samstag dauern, aber der gebürtige Hamburger hat keinen Zweifel, dass die von ihm angemeldete Veranstaltung stattfinden wird. Die Chance, dass er und andere Rechte gegen „Pressehetze, Verleumdung und Maulkorbfantasien“ demonstrieren können, schätzt er auf „99,9 bis 99,999 Prozent“.

Christian Worch: Wie gefährlich ist dieser Mann?

In der Vergangenheit haben die Gerichte dem gelernten Notarfachangestellten meist recht gegeben. Leute wie Worch, heißt es, müsse eine Demokratie aushalten. Aber wie gefährlich ist dieser Mann?

Redet man am Telefon mit ihm, spricht er eloquent und wirkt wie ein Wolf im Schafspelz. Er weiß genau, was er sagen darf und was nicht. Das hat er in all den Jahren gelernt, seitdem er erstmals aktenkundig wurde.

1977 war er dabei, als die „Hansabande“ des Neonazis Michael Kühnen in Hamburg mit Eselsmasken und dem Slogan „Ich Esel glaube, dass in Deutschland Juden vergast worden sind“ den Holocaust leugnete. Unter anderem wegen Volksverhetzung saß Worch mehrmals im Knast.

Kassel als Ort der Demo sei wegen zentraler Lage ausgewählt worden

Fragt man ihn, ob er ein Nazi sei, antwortet er: „Seit einigen Jahren bezeichne ich mich selbst nicht mehr so, aber ich bestreite das auch nicht.“ Man dürfe ihn ruhig so nennen, so wie der Verfassungsschutz die 600 Mitglieder der von ihm 2012 gegründeten Partei „Die Rechte“ als Neonazis zählt.

Lesen Sie auch: Warum Kassel den geplanten Aufmarsch der Rechten nicht verbieten darf

Die Behörden rechnen in Kassel mit bis zu 500 Rechtsextremisten. Worch selbst geht nur von 100 Teilnehmern aus. Die Splitterpartei ist vor allem im Ruhrgebiet und im Norden aktiv. Kassel als Ort sei angeblich nur wegen der zentralen Lage ausgewählt worden, nicht wegen Walter Lübcke.

Worch war bereits in Kassel aktiv

Ursprünglich hatte Worch gehofft, die NPD und ihre Jugendorganisation würden die Veranstaltung unterstützen, doch angeblich hatten deren Funktionäre Angst, Teilnehmer könnten Lübckes Ermordung gegenüber Journalisten ähnlich kommentieren wie zuletzt Pegida-Anhänger in Dresden. Sinngemäß hatten die gesagt, wer eine Politik gegen sein Volk mache, brauche sich nicht wundern.

Worch wird am Samstag nicht das erste Mal in Kassel aktiv sein. Im Jahr 2000 redete er auf einer Demo von Ewiggestrigen, die Deutschland in den Grenzen von 1937 wiederhaben wollen. Und als die Urne seines Weggefährten Kühnen 1992 auf dem Westfriedhof beigesetzt wurde, war er auch dabei. Die Trauerfeier fand unter massivem Polizeischutz statt.

"Das würde Teil der Innenstadt in ein Trümmerfeld verwandeln"

Auch am Wochenende könnte es hoch hergehen. Worch glaubt nicht, dass er mit seinen Leuten wie geplant durch die Innenstadt marschieren kann: „Die Stadt wird es auf einen stationären Platz beschränken.“ Andernfalls würden gewaltbereite Linksautonome „ein G 20 im Kleinformat“ veranstalten: „Das würde Teile der Innenstadt in ein Trümmerfeld verwandeln.“ Über sich und seine Gesinnungsgenossen sagt er: „Wir haben kein offensives Gewaltpotenzial.“ Die Statistik der rechts- und linksextremistischen Straftaten sagt etwas anderes.

Auch interessant: Demo der Rechten darf in Kassel stattfinden - Stadt legt Beschwerde ein

Egal wie das Wochenende in Kassel ausgeht – nächste Woche wird Worch wohl wieder als Taxifahrer in Parchim arbeiten. Damit verdient der Mann, der einst durch eine Erbschaft reich wurde, nun sein Geld. Er sieht sich in einer guten Tradition: Sowohl der SA-Sturmführer Horst Wessel als auch der ehemalige Straßenkämpfer Joschka Fischer waren Taxifahrer.

Von Matthias Lohr

*HNA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.