Vergewaltigung nicht erwiesen

Verurteilung wegen Bedrohung und Beleidigung: Neonazi muss ins Gefängnis

Kassel. Vor dem Landgericht in Kassel hat sich am Dienstag der Kasseler Neonazi Bernd T. verantworten müssen. Vom Vorwurf der Vergewaltigung wurde er freigesprochen, wegen Bedrohung und Beleidigung muss er aber nun für zehn Monate ins Gefängnis.

Als die junge Frau bei der Polizei vernommen wurde, wollte sie zuerst mit der Sprache nicht heraus. „Die Männer dürfen sich in der rechten Szene die Frauen nehmen“, soll die damals 17-Jährige leise vor sich hin gemurmelt haben. „Die haben das Recht dazu.“ Dennoch beschuldigte sie den Kasseler Neonazi Bernd T. schließlich doch der zweifachen Vergewaltigung.

Am Dienstag nun befand das Landgericht nach vier Verhandlungstagen: Die schwerwiegenden Vorwürfe gegen den 36-Jährigen lassen sich nicht beweisen. Also: Freispruch.

Ohne Strafe konnte der Gründer der rechtsextremen Kameradschaft „Sturm 18“ den Gerichtssaal trotzdem nicht verlassen. Wegen Bedrohung und Beleidigung schickte ihn die Strafkammer für zehn Monate ins Gefängnis. Für das Gericht stand fest, dass der Angeklagte die Mutter der 17-Jährigen mit dem Tode bedroht und per SMS unter anderem als „Gebärmaschine“ beschimpft hatte.

„Das geht drunter und drüber in den verschiedenen Aussagen.“

„Das ist seine Diktion, sein Sprachgebrauch“, befand Kammervorsitzender Jürgen Dreyer. Bernd T. hatte der Frau angekündigt, ihr „ein Messer in den Schädel zu rammen“ – offenbar weil die Mutter nie aufgegeben hatte, um ihre Tochter zu kämpfen. Die 17-Jährige war dem Kameradschaftsgründer monatelang regelrecht hörig gewesen.

Erst im Zuge einer mühsamen Abnabelung von dem Neonazi und seiner Gefolgschaft hatte die 17-Jährige die Vorwürfe der Körperverletzung und Vergewaltigung erhoben – wenn auch zunächst nur widerwillig. Und nicht ohne Widersprüche. „Das geht drunter und drüber in den verschiedenen Aussagen“, sagte Richter Dreyer. So dass sich eine Verurteilung allein auf ihre Angaben nicht stützen lasse. „Was nicht heißt, dass sie lügt.“

„Man sucht einen Schuldigen, der für ihre missliche Situation verantwortlich ist.“

Die äußerst labile Frau hat nach ihrer Loslösung von der rechtsextremen Szene einen Selbstmordversuch unternommen und ist mittlerweile in psychiatrischer Behandlung. „Man sucht einen Schuldigen, der für ihre missliche Situation verantwortlich ist“, sagte Verteidiger Jens Waechtler und verlangte einen vollständigen Freispruch. Denn sein Mandant sei unschuldig – und das angebliche Opfer nur eine „hervorragende Schauspielerin“.

Staatsanwalt Peter Harz dagegen glaubte der jungen Frau uneingeschränkt und forderte darum drei Jahre und acht Monate Gefängnis. Auch wenn Bernd T. nun mit einem glimpflicheren Urteil davon kam, droht ihm immer noch ein längerer Aufenthalt hinter Gittern: Er stand unter einschlägiger Bewährung – und sollte die jetzt widerrufen werden, muss er weitere 18 Monate absitzen.

Weitere Ermittlungen

Außerdem wird gegen ihn noch wegen des Verwendens von verbotenen Nazi-Symbolen ermittelt: Auf Fotos im Internet hatte Bernd T. mit seinen „Sturm 18“-Kameraden vor einem Hitlerbild posiert.

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